Das Phänomen „Let’s Plays“

Let’s Plays sind in Deutschland seit langem auf dem Vormarsch. Viele Medien berichteten bereits über das Thema und häufig ist man, überspitzt dargestellt, ein potentieller Amokläufer der Gamerinnen vergewaltigen möchte. Meine Meinung und die einiger meiner Mitmenschen zu diesem Thema.

Es gibt keine Demoversionen mehr!

„Ich bin Spieler 1!“

„Nein! Ich bin Spieler 1!“

„Aber das kann man nur alleine spielen!“

„Egal, aber ich bin jetzt dran!“

Welches Kind der Generation Nintendo oder Eltern eben dieser kennt diesen Streit nicht?

Früher war man froh, wenn der blöde Bruder oder der Besuch endlich den Controller aus der Hand legte, sodass man selbst wieder Super Mario spielen konnte. Heute jedoch gehen viele Spieler, auch dieser Generation, extra auf das Videostreamingportal ihrer Wahl um sich dort die Aufnahmen von Spielen anzusehen, die andere gespielt haben. Warum?

Nun, dies kann verschiedene Gründe haben und ich habe bereits einige Erklärungsversuche von „Videospielexperten“ oder so genannten „Journalisten“ zu diesem Thema gelesen und immer wieder den Kopf schütteln müssen. Von vereinsamten Jugendlichen bis hin zu unterdrückten sexuellen Neigungen habe ich alles gelesen und muss mich nun wirklich fragen: Lesen die ihre Artikel auch selbst, oder lassen die diese einfach von einem Programm aus diversen Zeitungsausschnitten zusammenschneiden?

Wie dem auch sei, es gibt bereits einige Artikel zu diesem Thema und manche sind gut, die meisten eher schlecht. Aber eines haben sie alle gemeinsam: Sie sind von Außenstehenden geschrieben.

Es ist nun einmal so, dass nicht jeder die gleichen Interessen teilt. Das ist an sich auch ganz gut so, aber wie möchte jemand, der gar kein Verständnis für die Materie hat, einen fundierten Artikel über ein Thema schreiben, von dem ihm nur berichtet wurde? Artikel müssen „schnell schnell ab in den Druck“ und das zum Teil mit Verlegern, bei denen J. Jonah Jameson vor Neid erblassen würde. (Nicht, dass jeder so ist, aber man hört so einiges.) Aus diesem Grund ist das meiste was so zu finden ist auch eher… nun, lassen wir das Bild für sich sprechen.http://www.quiterly.com/wp-content/uploads/2014/03/What-really-happens-the-night-before-332x350.jpg Let's Plays

Einhundert Leute haben wir gefragt: Was ist so interessant an Let’s Plays?

Die Antworten die man bekommen würde, würden hier sehr stark vom Alter der befragten Personen abhängen.

Im Mittzwanzigerbereich, zu dem ich mich selbst übrigens noch zählen darf, und darüber hinaus, wird man häufig die Antwort erhalten, dass Let’s Plays ein guter Weg sind um sich einen ersten Eindruck über das Spiel zu machen. Wie bereits im Titel erwähnt, gibt es für die wenigstens Spiele noch Demoversionen. Die Spieltrailer weichen häufig so sehr von dem Spielerlebnis ab, dass man meinen könnte, es handle sich um ein vollkommen anderes Spiel. Ein gutes Beispiel für so einen Fall wäre Aliens: Colonial Marines.

Aber das ist nur einer von vielen Gründen. Wenn man nun die jüngeren Fans von beispielsweise Minecraft Let`s Plays und damit von Gronkh fragt, so wird man häufig die Antwort erhalten, dass es ihnen um neue Ideen für die eigene Spielwelt oder Tutorials geht, um ihr eigenes Spielerlebnis zu erweitern. Anmerkung: Gronkh macht nicht nur Minecraft let’s Plays sondern veröffentlicht auch Videos zu weiteren Spielen.

Einige andere werden sagen, dass sie es einfach genießen nebenher bequatscht zu werden, vorzugsweise mit einem Thema, welches sie betrifft oder sie interessiert. Ich erinnere mich an meine Mutter, als sie beim Bügeln damals Kochsendungen geschaut hat. Nicht weil sie wirklich Interesse daran hatte beziehungsweise weil sie das unbedingt gucken wollte, sondern mehr, um ihre eintönige Arbeit etwas angenehmer zu gestalten. So ähnlich kann man das auch sehen. Ich selbst schaue beispielsweise sehr gerne bei Valcry vorbei wenn ich 7 Days to Die spiele.

Häufig ist es aber auch so, dass ein Spiel mehrere Teile hat, man selbst aber noch keins davon gespielt hat. Nehmen wir als Beispiel nun einmal Fallout. Mittlerweile gibt es fünf Hauptspiele und einige Spinoffs. In naher Zukunft wird Fallout 4 veröffentlicht und obwohl bis jetzt jeder Teil ein eigenständiges Spiel darstellte, interessiert es viele geneigte Spieler doch, was in den vorhergehenden Titeln passierte. Aus diesem Grund werden auch gerne ältere Spiele von Let’s Playern aufgenommen und von den Zuschauern angesehen. An dieser Stelle kann ich uneingeschränkt die Serie Let’s Play Fallout 1 (GoG-Version) mit deutschem Sprachpatch! – deutscher Kommentar des Youtubers Brack Fllo empfehlen.

Mit solchen „Serien“ können Interessierte die Geschichte der vorhergehenden Teile während des Essens oder beim spielen eines anderen Spiels nachverfolgen. Ein Zeitersparnis also.

Hinzu kommen noch die ganzen Tutorials, welche ich persönlich nicht direkt zu den Let’s Plays zählen würde, Erweiterungen wie „Let’s play together“ in dem mehrere Spieler das gleiche Spiel spielen (meist bei Lan oder Onlinegames) oder Challenges in denen bei Projektbeginn bestimmte Spielmechaniken ausgenutzt oder festgelegt werden, um eben einen gewissen Reiz auszuüben. Ein Beispiel hier wäre Kinder der Stadt in 7 Days to Die. Hier wird in einem Survival Spiel in der härtesten Region des Spiels, welche man sonst meidet, die Siedlung aufgebaut.

Doch was genau ist denn nun das wichtigste an Let’s Plays?

Um diese Frage zu beantworten muss man, wie schon erwähnt, immer auf die Zielgruppe und zum Teil auf die jeweiligen Let’s Player eingehen.

Vor allem jüngere Let’s Player stellen sich das aufbauen eines Kanals mit guten Let’s plays zu einfach vor. Mikrophon an, das Spiel gestartet, die Aufnahmesoftware synchronisiert und schon fließt das „Youtube Money„. So leicht ist das allerdings leider nicht. Zum einen benötigt man eine gewisse Optimierung des Kanals, Ahnung von Schnitt und Rendering sowie, Achtung – jetzt kommt DIE Information des Tages: Content! Ja. Richtig. Content. Wer möchte denn einen Kanal abonnieren in dem seit vier Monaten vielleicht zwei Videos hochgeladen wurden? Niemand. Ein Hobby kostet Zeit. Sei es ein Blog, ein Let’s Play Kanal, eine Homepage, ein Spielserver… egal. Alles benötigt Zeit und wenn man „erfolgreich“ sein möchte, muss man diese Zeit auch aufbringen und sich ständig fortbilden. Diese Anstrengung ist den meisten zu viel, weshalb es immer einen hohen Anteil an Let’s Plays gibt, diese aber schnell wieder von der Bildfläche verschwinden. Man darf nicht vergessen, dass viele das wirklich als Beruf machen und somit wirklich 8 – 15 Stunden, oder mehr, an einem Video arbeiten.

Hinzu kommt, dass in den meisten (nicht allen) Genres der Let’s Plays weniger das Spiel selber der Grund für den Erfolg des Kanals ist, sondern der Mensch hinter dem Kanal. Man muss einen gewissen Humor mitbringen, oder andere Charaktereigenschaften die den Kanal beziehungsweise das Let’s Play sehenswert machen. Wenn man den Charakteren in textbasierten Rollenspielen durch die glaubhafte Veränderung der Stimme einen authentischen Charakter verleihen kann, kann man es bald als Hörspiel ansehen. Verwendet man viel Witz und Humor hat man eine Parodie und wenn man es schafft seine eigenen Erfahrungen mit rein zu bringen, kann man in einem Let’s Play über Gothik 3 eine ganze Menge über Fallout, Skyrim und andere Rollenspiele lernen, weil der Let’s Player Vergleiche anstellen, sich aus seinem Erfahrungsrepertoire bedienen, und lebhaft Vor und Nachteile der Spiele aufschlüsseln kann. So hat man quasi ganz schnell ein Bewertungsvideo und das sind ganz normale Genres wie sie schon vor Let’s Plays und Youtube existiert haben.

Fazit

Man sollte auch als Journalist aufhören die Dinge in zu kleine Schubladen stecken zu wollen und das größere Ganze sehen. Gegebenenfalls auch über den Tellerrand heraus. So hätten sich die Kollegen, aus einigen einschlägigen Verlagen, den einen oder anderen Fauxpas sparen können. Nicht immer ist hinter einem „Killerspiel“ die versteckte Lust an der Gewalt zu suchen und nicht immer sind es versteckte sexuelle Gedanken, die einen dazu verleiten, einer weiblichen Let’s Playerin beim Blöckchenbauen zuzuschauen.


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