Internetsucht – Ein moderner Mythos

Immer wieder, spätestens aber nach einem “Amoklauf” in einer Schule irgendwo auf dem Globus, liest und hört man ständig von der sogenannten “ Internetsucht “. Neben den Killerspielen ist dieses Wort eines der wichtigsten Wörter, die die alten Medien in die Welt hinaus posaunen und darauf hoffen, dass irgendein armer Tropf ihnen Gehör schenkt. Heute möchte ich darauf eingehen, warum genau ich das Phänomen der Internetsucht für einen modernen Mythos halte.

Persönliche Referenz zur Internetsucht

Ich selbst würde mich nicht aus Internetsüchtig bezeichnen. Heutzutage sowieso nicht mehr, aber als Jugendlicher hatte ich häufiger mit dieser “Konfrontation” zu kämpfen. Die Menschen in meiner Umgebung, welche nicht zu meinem engsten Familienkreis gehörten, waren immer der Meinung mich, wie einen Alkoholiker, mit meinem “Problem” konfrontieren zu müssen. “Du musst doch sehen, dass das nicht normal ist.”,”Du kannst doch nicht nur vor dem Rechner leben!” und “Geh doch mal mit Freunden raus. Ein junger Mensch muss doch was erleben.” sind nur wenige Aussagen die ich häufiger zu hören bekommen habe. Gerade letztere Aussage hat, mit etwas Abstand und Erfahrung betrachtet, eine solche Ironie, dass man fast darüber lachen könnte, wenn es nicht so traurig wäre. Ich muss dazu sagen, dass diese Geschichte bereits 12 Jahre zurück liegt und das Internet, mangels Smartphone, keine so große Rolle im Leben der Normalos gespielt hat. Ja es ist so, ich habe den Großteil meiner Zeit vor dem Rechner Zuhause verbracht. Das hatte aber auch seinen Grund.

Es folgt eine ganze Menge Text in der ich kurz auf meine eigene Vergangenheit eingehe. Wer das “Mimimi” und rumgeheule überspringen möchte, klickt bitte hier.

 

Wie es zu “meiner Internetsucht” kam

Ich bin in einer Kleinstadt neben Köln aufgewachsen. Schon damals, vor der “Flüchtlingskrise”, hatten wir einen sehr großen Anteil an Einwohnern mit Migrationshintergrund, um es mal aus heutigen politischen Verwerfungen heraus zu formulieren. Hätte man mich früher gefragt, hätte ich sie wohl eher als drecks Kanackenpack bezeichnet. Das klingt etwas harsch und wer mich kennt oder bereits einige meiner Blogartikel gelesen hat, wird jetzt wohl die Augenbraue hoch ziehen, aber das war nun einmal das, was ich damals gedacht habe. Ich war nie wirklich rechts. Punkt. Kein Aber. Ich hatte nur meine Erfahrungen mit den jungen Menschen aus dem mittleren Osten gemacht und diese sind konsequent schlecht ausgefallen. Ich war damals, mit15 – 16 nur knapp 1,60m groß und somit ein dankbares Opfer für Mobbing. Da ich schon sehr früh im Alter von ca. 14 begriff, dass ich “Ich” bleiben muss um nicht unglücklich zu werden, war ich nie “cool” oder “hip”. Das resultierte darin, dass ich ein Außenseiterleben Internetsucht Drizzis Blogführte und heute betrachtet war ich recht glücklich damit. Wenn Kinder nicht solche Arschlöcher sein könnten. Nun ist es natürlich so, dass nicht nur die Türken,Kurden und was weiß ich was sich da unten noch bekriegt hat, gerne gemobbt haben, jedoch waren diese deutlich aggressiver und Gewaltbereiter. Bevor ich allerdings ein politisches Essay beginnen möchte, breche ich an dieser Stelle ab und Fasse sehr kurz zusammen: Kleiner Mensch, viel Gewaltbereitschaft in der Umgebung (Ging soweit, dass man abends einfach so grundlos zusammen geschlagen wurde), daraus resultierend eine sehr abgeneigte Haltung gegenüber Ausländern im speziellen und Menschen im Allgemeinen. Ich wusste bereits, dass es hauptsächlich die Jugendlichen waren, die sich so dermaßen daneben benahmen und Gewaltbereitschaft an den Tag legten. Das hinderte mich jedoch nicht daran einfach alle über einen Kamm zu scheren. Bis hin zu den Deutschen die nichts unternahmen wenn irgendwer gemobbt wurde, sondern einfach mit machten.

Eine Welt außerhalb der Gewalt

Der weg in die Internetsucht wurde durch die Scheidung meiner Eltern dann noch verstärkt. Man kann sich vorstellen, dass ich aufgrund meines Außenseiter-Images relativ wenig Freunde hatte. Grob genommen eigentlich keine, zumindest nicht in der direkten Umgebung. Durch die Scheidung meiner Eltern wurden wir jedoch zusätzlich von einer recht Wohlhabenden Familie (diverse eigene Geschäfte) zu einem Sozialfall ohne Anspruch auf eben diese Leistungen. Während der Scheidung konnten wir uns einen kleinen PC auf Raten leisten, wodurch ich die ersten Spiele spielen konnte. Wir hatten zwar vorher einen PC, aber der war nicht am Netz angeschlossen. In dieser Zeit, in der ich wirklich Ablenkung brauchen konnte, war das Internet wie ein Geschenk des Himmels. Nicht, dass ich an diesen glaubte. Neben meinem Teilzeitjob als Raumpfleger, den ich Internetsucht Drizzis Blogwegen unserer finanziellen Situation angenommen hatte, verbrachte ich meine gesamte Zeit im Internet. Ich sog alles auf. Von Webseiten über Grafikdesign, von Spielen über Scripts bis hin zu den damals noch tolerierten Web Radios und deren Systeme, nahm ich alles auf, was ich finden konnte. Ich war nie ein guter Schüler aber in dieser Zeit habe ich unglaublich viele neue und interessante Dinge entdeckt und mir deren Hintergründe angesehen. Ich wollte wissen. Ich wollte wissen was da vor sich ging und wie man so etwas selbst machen konnte. Ich genoss die Zeit in Ruhe ohne Angst vor Gewalt im Netz meine kleinen Recherchen anzustellen. Keiner der einem die Unterlagen in die Toilette warf, niemand der versuchte einem wegen einer Zigarette die Zähne auszuschlagen (was 2007 allerdings geschah) und niemand der sich von hinten Anschlich um meinen Kopf auf die Tischplatte zu hauen. Ich nehme an, dass meine Mutter an dieser Stelle bereits Sorgen wegen meiner Internetsucht hatte. Immerhin waren die Amokläufe von Erfurt und Coburg noch sehr aktuell im Gedächtnis der Gesellschaft. Wir sprachen darüber, als ich mir den ersten Shooter installierte. Meine Mutter achtete immer sehr genau darauf, dass ich keine unangemessenen Spiele spiele. Weniger aus Angst um meine Umgebung, sondern eher um mich. Als Kind war ich recht sensibel, was mir heute allerdings vollkommen ab geht. Ich erklärte ihr was ich tat und warum ich es tat, sie wusste ja was in der Schule und “da draußen” abging. Sie verstand natürlich nicht alles, verstand aber meine Situation und ließ mich machen.

Die Internetsucht und die Hoffnungslosigkeit

Die Jahre zogen ins Land. Ich schloss die Gesamtschule mit einem Realschulabschluss ab. Es fehlte eine Note um mein Abitur beginnen zu können. Leider sollte es nicht so sein. Ich fand keinen Job, keine Ausbildung, keine Schule, die mir mein Fachabitur geben wollte. So kam ich in eine “Auffangklasse”. Eine Idee unseres Schulsystems in der (hauptsächlich Abgänger der Klasse 9 ) für 1 Jahr jeden Montag zur kaufmännischen Schule gehen und ansonsten nix zu tun haben. Es gab nicht einmal einen Abschluss aber wir waren gezwungen dahin zu gehen.

Ich beschloss, auf Zuraten meiner Mutter, mir eine Praktikumsstelle bei unserem Physiotherapeuten um die Ecke zu besorgen. Dieser nahm mich auch an. Wir stellten allerdings beide recht schnell fest, dass ein FSJ in einer Physiotherapiepraxis relativ wenig Sinn macht, wenn man nicht selbst therapieren darf. Ich hatte schlichtweg wenig zu tun. Glücklicherweise hatte mein damaliger Chef einige Computerfachzeitschriften in seinem Lesezirkel, wodurch ich mir bei den Dauerpatienten immer die Zeit nehmen konnte, nebenher ein wenig in den Fachzeitschriften zu lesen. Vieles verstand ich nicht, da es zum teil wirklich um Fachzeitschriften handelte und nicht nur um die Computer Bild. Das stachelte meinen Ehrgeiz an. Ich WOLLTE das verstehen.

Während meines Praktikums schenkte mir mein Chef seinen Brenner, da er ein neueres Modell hatte. Auf diese Weise tauchte ich auch in die Hardware ein. Ich musste verstehen, wie ein PC aufgebaut ist, welche Leitungen verlegt wurden, wie man ein Gehäuse richtig mit Kabeln verlegt und dass es immer wichtig ist, die Stecker richtig herum anzuschließen. Ich forschte und spielte, spielte und forschte.

Irgendwann hatte ich mich dabei erwischt, wie ich nur noch in den Konfigurationsprogrammen von mIRC und Enemy Territory editierte und weniger Chattete und spielte.

Das war die Geburt meiner Programmierleidenschaft. Das Jahr ging sehr schnell vorbei Internetsucht Drizzis Blogund ich tat einen erneuten Anlauf um mein Fachabitur zu erhalten. Ich konnte in der kaufmännischen Schule in Jülich, dank dem guten Zureden meiner Mutter, einen Platz erhalten. Unglücklicherweise hielt dies nicht lange, da ich in der Mathematik immer schon eine totale Flachpfeife gewesen bin. Auch hier hatten wir, nebst gläubigen Christen, was mich sehr erschreckte, einen Kurden. Nunja. Kurz nachdem ich, durch meine Forschungen und Fortschritte im WWW, ein wenig Selbstvertrauen aufbauen konnte, fand ich mich eingekeilt zwischen einem Drehstuhl und dem Boden wieder. Seit dem habe ich ein unangenehmes knacken im Nacken. Ich ging heim, und blieb dort drei Tage lang, nachdem mein Arzt mich krank schrieb. Ich erhielt einen gelben Schein, flog aber dennoch von der Schule, da ich “Drei Tage unentschuldigt fehlte”. Mit Krankenschein! Ich nehme an, die haben den Gesetzestext absichtlich so ausgelegt, da ich den Notendurchschnitt runter zog. Ich saß auf der Straße und hatte somit nun auch meine Hoffnung aufgegeben ein Physiotherapiestudium zu beginnen. Ich orientierte mich um.

Reboot

2005, während meiner Zeit im FSJ, hatte ich einige Menschen kennen gelernt, die mein Wesen auf Dauer prägen sollten. Ich traf sie online und zum ersten mal in meinem Leben konnte ich so sein wie ich war und die Leute akzeptierten es und schätzten mich sogar dafür. Wir hatten viel Spaß und begannen diverse Projekte aufzubauen. Diese liefen neben meinen Beschäftigungen im realen Leben. Allerdings deutlich erfolgreicher. Wir hatten viel Spaß zusammen. Die Nightlife Legends waren geboren. Durch die Spiele die wir spielten, hatten wir die Möglichkeit immer mehr nette Menschen kennen zu lernen, ihre Probleme nachzuvollziehen und sich gegenseitig zu unterstützen.

Zu dieser Zeit war der Anteil an über 20 Jährigen noch signifikant höher zu dem der Kinder und Jugendlichen. Heute ist dies ja anders herum… Es führte dazu, dass ich selbst deutlich schneller erwachsen wurde und mich bereits “früh” mit Themen auseinander setzen musste/konnte die mich im späteren Leben erwarten würden. Ich war glücklich, wenn ich mit diesen Menschen sprechen und meine Zeit verbringen konnte. Allerdings häuften sich auch die Aussagen meiner Umgebung im Real Life bezüglich meiner “ Internetsucht “. Sie verstanden nicht, wieso ich nicht raus ging und “Party mache”. Sie verstanden nicht, wieso ich nicht arbeiten ging und wieso ich nur noch Zuhause saß und Tag für Tag in den Monitor schaute und mit “Fremden telefoniere”.

Nachdem ich nun meine Hoffnung auf meinen damaligen Traumberuf verloren hatte, keine Internetsucht Plan Awirklichen Freunde im realen Leben hatte und auch ansonsten mit mir und der Welt arg unzufrieden war, war meine Motivation “einfach irgendeinen Beruf zu nehmen”, wie es einige “Bekannte” meiner Mutter vorschlugen, sehr gering. Ich suchte im Web nach Angeboten, die zu meinem Bildungsgrad passten und schrieb unmotiviert einige Standardbewerbungen. Ich war zwar als Ausbildungssuchend gemeldet, dieser Status wurde allerdings ohne mein Wissen einfach wieder deaktiviert. Danke Paps. Da meine Mutter ein paar Euro zu viel verdiente, erhielt ich auch keine alternative Unterstützung vom Staat, wodurch sich mein Bewegungsfreiraum noch mehr einschränkte. Da das Geld fehlte, um ordentliche Bewerbungsmappen zu erstellen, begnügte ich mich mit Angeboten die eine Onlinebewerbung möglich machten.

Nach einiger Zeit stellte ich fest, dass ich mir die IT an sich durchaus als Berufszweig vorstellen konnte. Ich schrieb einige Bewerbungen um eine Ausbildung als “Fachangestellter für Medien- und Informationsdienste” zu erhalten. Diese Bewerbungen hatten zum ersten mal ein Deckblatt mit Code dabei. Leider wurde da auch nichts draus.

Um weitere Komplikationen mit meinen Mitmenschen im realen Leben zu vermeiden, begann ich die Kampfsportarten, welche ich bereits in meiner frühen Schulzeit, als es uns noch besser ging, gelernt habe, weiter zu verfeinern. Onlinevideos halfen mir dabei. Heute stelle ich es mir sehr albern vor, wie ich mit Funkkopfhörern vor meinem Rechner gezappelt habe, um die Bewegungsabläufe ordentlich zu synchronisieren, während das Video mehr schlecht als Recht bufferte. Schlag –> Stopp –> umdrehen –> Stopp –> Block –> Stopp.

Leider wurde ich nicht genommen, weil andere Bewerber besser zu dem Job passen würden. Wenn ich überhaupt eine Antwort erhalten habe. das Umfeld im realen Leben wurde lauter und immer öfter wurde meine Mutter wegen meiner Internetsucht kritisiert. “Der Faulpelz soll sich einen Job suchen!”. Es ist traurig, wenn manche Menschen so verblendet sind, dass sie nicht verstehen können, dass die Zeiten sich ändern können. Die damalige 40+ Generation hatte es noch relativ einfach. Ausbildung finden –> Ausbildung abschließen –> vom Betrieb übernommen werden. Aushilfskräfte wurden auch genug gesucht aber zu dieser Zeit waren die Arbeitslosenzahlen auf einem Rekordhoch. Der Druck aus der Reihe der Familie machte das Leben auch nicht gerade einfacher. Es führte dazu, dass ich mich wertlos fühlte, wenn ich nicht gerade eine Maus und die Tastatur in der Hand hielt.

Die Bundeswehr und der Verrat

2008 beschloss ich zur Bundeswehr zu gehen. Es gab zwar damals noch die Wehrpflicht, allerdings hatte mich bis dahin noch kein Schreiben des Kreiswehrersatzamtes erreicht, wodurch ich Trottel mich selber meldete.

Der Wehrdienstberater mit dem ich sprach versicherte mir, dass ich nicht ins Ausland müsse, wenn ich nicht wollte. Als Zeitsoldat (12 Jahre) konnte ich eine IT Ausbildung abschließen und meinen Führerschein machen. Außerdem käme Geld rein, was wir so dringend benötigten. Es klang perfekt, auch wenn ich als … Pazifist** immer schon gegen den Krieg war.

Ich bin nicht wirklich konsequent gegen Gewalt. Ich mag sie als Stil- und Unterhaltungsmittel und bin auch dafür sie im Falle einer wirklichen Notsituation konsequent einzusetzen. Ich mag nur keine Angriffe wo es nicht notwendig ist. Wozu gibt es schließlich Politiker? Sollen die mal was tun für ihr Geld.

Nachdem die Frist zum Abbrechen des Wehrdienstes abgelaufen war, wurden wir darüber in Kenntnis gesetzt, dass alle Soldaten, egal ob Zeit- oder Berufssoldat, spätestens alle vier Jahre in ein Krisengebiet fliegen müssen. Danke, bin raus. Ein Misanthrop eingesperrt Drizzis Blog Kriegmit vielen bekloppten ohne Privatsphäre und ‘ner scharfen Waffe? Geile Idee! Ich schloss meine Ausbildung zum Gebirgsjäger ab (Nein, wir haben nicht die Alpen gejagt) und wurde in meine Stammeinheit versetzt. Diese klang vielversprechend. IT –> Controlling. Es stellte sich heraus, dass ich Daten in ein Excel Dokument einfügen , dieses Ausdrucken, und anschließend die gesamten Daten erneut in ein anderes Programm eingeben sollte. Am Ende meiner Dienstzeit erfuhr ich, dass die Bundeswehr dieses Verfahren bereits zwei Jahre vorher hat abschaffen lassen und das nur eine freiwillige Basis war. Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. Yeay. Ich nahm also mit was ich kriegen konnte. Einen HTML Lehrgang,  Ersthelferausbildung, Einzelkämpfertraining, Überlebenstraining. Damals hasste ich den Wald und die Distanz zur Heimat (und meinem Rechner) aber ich hasste es noch mehr, sinnlos und offline Zahlen in Excel einzutragen. Wenn ich wenigstens Internet gehabt hätte…

Abbruch

Ich wurde also quasi zu einer Ein-Mann-Armee ausgebildet. Dieses Wissen pflege ich bis heute und habe es immer weiter verfeinert. Durch mein Wissen in der Anatomie durch die Physiotherapie, meiner Kampfsportausbildung und meines Einzelkämpfertrainings, kann ich heute auf ein recht anschauliches Arsenal von Wissen im realen Leben für Notsituationen zurück greifen. Damals jedoch, war die einzige Notsituation die ich kannte, dass Windows abstürzte und ich es neu installieren musste. Nach Beendigung meiner Reise durch mein persönliches Terra Nola, wurden die Rufe nach meiner Internetsucht wieder laut. An dieser Stelle breche ich meinen kleinen Ausflug in meine “Karriere” ab. Mittlerweile habe ich mein Fachabitur und auch einen gut bezahlten Job in der IT gefunden, wodurch auch meine “ Internetsucht “ zurück gegangen ist. In den nachfolgenden Abschnitten werdet ihr verstehen, wieso ich das Wort “ Internetsucht “ immer in Klammern gesetzt habe.

 

Definition Internetsucht

Bei einer Suche nach der Internetsucht schlägt uns Wikipedia folgende Definition vor:

Mit Internetabhängigkeit, auch Internet- oder Onlinesucht, wird das Phänomen bezeichnet, das Internet übermäßig, das heißt gesundheitsgefährdend, zu nutzen. Im englischen Sprachraum finden sich die Begriffe „Internet addiction (disorder)“, „pathological internet use“ und „compulsive internet use“, also pathologische bzw. zwanghafte Verwendung des Internets, die damit das Problemfeld auch besser beschreiben. Weder WHO noch DSM kennen Diagnoserichtlinien und fordern zum Teil weitere Forschungsergebnisse ein.[1] Der Ausdruck exzessives Onlineverhalten (EOV) wird synonym zu Begriffen wie Internetsucht, Internetabhängigkeit oder Onlinesucht verwendet.[2]

Ich möchte an dieser Stelle ganz klar darauf hinweisen, dass es jetzt wirklich sehr ins Detail geht. Es ist aber notwendig um den Hintergrund der Internetsucht zu begreifen.

Wenn ich hier und jetzt einen von euch fragen würde, ob diese Definition richtig ist, werden viele dies bestätigen. Spontan sagen die meisten, dass eine “Sucht” eine Abhängigkeit ist, die durch übermäßigen Konsum von X hervor gerufen wird. Was ist denn aber nun übermäßig? Der “normale” Verbrauch ist in Ordnung? Wie ich bereits in einem anderen Zusammenhang hier gepostet habe, ist das normal, was wir als normal empfinden und kennen gelernt haben. Schaut euch doch mal um. Es vergehen kaum 2 Stunden in denen man nicht auf das Smartphone schaut, Facebook checkt oder sonst irgendwas macht. Heißt das etwa, dass man jetzt abhängig vom Internet ist?

Nun, es fehlt natürlich die Symptomkomponente. Aggressivität, Zittern, “Jucken” und generelles Unbehagen sind nur wenige der Symptome die bei einem Suchtverhalten auftreten. Was ist nun aber, wenn die “Droge” den Menschen ins positive ändert und er seine Aggressivität deshalb vergisst? Nun, auch dann ist es eine Sucht, immerhin kennt man so etwas von Stimmungsaufhellern. Konsequent zu ende gedacht ist die Internetsucht in der Form durchaus eine berechtigte Aussage. Allerdings keine Diagnose, denn es handelt sich hier nur um ein Symptom.

 

Die Internetsucht ist keine Krankheit sondern ein Symptom!

Wer den Artikel in Wikipedia weiter verfolgt liest zwangsweise, dass die Wissenschaft sich noch nicht ganz schlüssig ist, mit was sie es bei dem Phänomen Internetsucht zu tun hat. Biochemisch kann ich diese Problematik durchaus nachvollziehen, denn es werden, beim surfen, Botenstoffe und Hormone vom Körper ausgeschüttet, die denen gleichen die beim Konsum von Haschisch entsprechen.

Ein Orgasmus wiederrum sendet die gleichen Botenstoffe und Hormone aus wie LSD. Meine Frage an Wissenschaft und Gesellschaft lautet nun: Wenn wir diese Gegenüberstellung zu ende denken, so müsste Sex speziell und Orgasmen im allgemeinen doch deutlich gefährlicher sein und Abhängiger machen als das surfen. Die so genannte Sexsucht jedoch wird hart kritisiert und von Wissenschaft und Medien dementiert. Wieso ist das selbe Argument denn nun plötzlich in Verbindung mit der Internetsucht valide? Dies ist wieder ein sehr schönes Zeichen der Voreingenommenheitimage der Gesellschaft und der Medien. Deshalb möchten “die” (wer auch immer die bekloppten Internet Gesetze durchsetzen will hier im #Neuland) auch verhindern, dass Diskussionen und Blogs entstehen, die sich mit dem Blendwerk und der Fehlinformation (wissentlich oder unwissentlich) beschäftigen. Aber das geht bereits in Richtung Verschwörungstheorie und ich werde es gegebenenfalls mal in in einem anderen Artikel erwähnen.

Was ist denn nun die Internetsucht? Ein Symptom? Eine Krankheit? Eine Sucht? Nun, das wird auf das Auge des Betrachters ankommen. Da ich selbst in der Vergangenheit häufig als Opfer der Internetsucht betitelt wurde, kann ich nur sagen, dass in meinem Fall die Internetsucht ein Symptom war. Eben von einer “leichten” Depression. Wie ein Nachrichtensprecher kurz nach dem Amoklauf in Winnenden sagte:

Das Problem sind weder die Killerspiele, noch die Waffen. Nein, der Kern des Problems ist, dass so ein Junge allein gelassen im Keller hockt, nur mit seinem Computer als Ansprechpartner und dort zu einer tickenden Zeitbombe mutiert.

Mobbing, Ignoranz und Besserwisserei sind ganz klar Kern des Problems. Die Gründe sind vielschichtig und die Verantwortlichen schweigen. Aber wer sind die Verantwortlichen? Politik? Gesellschaft? Die Eltern? In meinem Fall war es tatsächlich nicht meine Mutter, welche das Problem darstellte. Ganz im Gegenteil. Selbst in der schlimmsten und aggressivsten Phase meiner “Depression” stand sie zu mir. Woher kam es also? Wir haben verschiedene Möglichkeiten.

Woher kommt die Internetsucht?

Zum einen kommt die “ Internetsucht “ nicht von heute auf Morgen. Genauer gesagt, existierte die Internetsucht bereits lange vor dem Internet. Klingt komisch? Ist aber so. Wie bereits festgestellt, ist die Internetsucht keine Krankheit sondern ein Symptom. Die dazu gehörige Krankheit ist in den meisten Fällen eine Depression, allerdings kann die Krankheit auch ganz schlicht und Ergreifend die Persönlichkeit des Betroffenen sein.

Depression

Im Falle der Depression ist die Suche nach dem Schuldigen schnell abgeschlossen. Entweder man ist einfach nicht zufrieden mit dem was man hat, beziehungsweise kann es nicht sehen, oder unsere Leistungsgesellschaft hat einen guten Teil dazu bei getragen, indem sie dem Betreffenden eingeredet hat, dass er ohne festes Einkommen nichts wert ist und nie etwas erreichen kann. Es kann auch sein, dass sie bei posttraumatischen Belastungsstörungen, wie im Falle einer Vergewaltigung, eines Einsatzes in einem Krisengebiet oder anderen Fällen, einfach weg schaut. Wenn man keinen Ansprechpartner hat, dann sucht man sich einen oder sorgt dafür, dass man nicht mehr reden muss. Egal wie. Bei der Auswahl ist mir das surfen im Netz deutlich lieber.

Da es bereits vor dem Internet Depressionen gab, ist dieses Symptom schon älter. Früher hat man sich halt in eine Kneipe gesetzt, statt in einen Chatroom. Der größte Unterschied: Ein Chatroom kann einem wirklich helfen, wenn man nette Menschen kennen lernt (wenn!) und gegebenenfalls sogar eine Beziehung aufbauen kann. Eine Kneipe bringt nur besoffene die bestenfalls in der Ecke einpennen.

Social-Media-Irrsinn

Die Trend sein Essen auf diverse Social Media Plattformen zu posten, freizügige Bikini Fotos hoch zu laden und auch sonst “immer auf dem Laufenden zu bleiben”, ist ein unter Frauen recht weit verbreitetes Problem. Unsicherheit ist häufig ein Grund für ein solches Social Media Drizzis BlogVerhalten. Man sieht was andere auf Facebook posten und will da mithalten oder sie übertrumpfen. Deswegen checkt man alle fünf Minuten seine Profile und schaut, wer was wie wo warum gemacht hat. Ein solches Verhalten kannten wir früher von Menschen, die generell gerne mit Mittelpunkt stehen wollen. Aufmerksamkeit ist ihr Antrieb und Likes sind ihr Lohn. Unglücklicherweise kann ich hier nur von der Außenperspektive berichten, da ich selbst nicht unbedingt solche voyeuristischen Anwandlungen habe. Da ich  nicht zu einseitig sein möchte, wäre hier ein Kommentar aus der Community gut. Jemand da, der selbst solche Erfahrungen gemacht hat oder jemandem geholfen hat aus einer solchen Schleife heraus zu kommen? Es gab vor kurzem einen Artikel über ein junges Modell, welches sich auf Instagram alle Bilder erneut kommentiert hat und zeigte, wie Fake das alles war. Sie machte das allerdings nur Anfangs wegen dem “Fame” und später eben für die Kohle. Hier einmal die Seiten:

http://essenaoneill.tumblr.com/

http://www.letsbegamechangers.com/

Sie zeigt nun auf der neuen Seite alle “Aussteiger” und erreicht somit ein enormes Publikum. Auch wenn ich die Sache bewundere und ihr definitiv viel Glück mit der Aktion wünsche, so wird wohl kein Umdenken stattfinden. Unternehmen werden auch aus diesen Klicks ihren Gewinn ziehen, denn so erhalten sie viele Aufrufe.

Fazit

Das waren nun zwei der vielen Gründe, woher die “ Internetsucht “ kommen kann. Heutzutage leben wir glücklicherweise in einer Welt, in der die meisten Eltern mit dem Netz groß geworden sind und zumindest essentielle Erfahrungen damit gemacht haben dürfte. Aber hier liegt auch das Problem des gefährlichen Halbwissens. Gerade jene die bei der ersten Welle von “Nacktbildsendungen” (ca. 2005) dabei waren, werden es sich dreimal überlegen, ob sie ihrer Tochter einen PC ins Zimmer stellen. Wie dem auch sei. Drizzis Blog TeamSolange sich die Gesellschaft an sich nicht ändert und es unfreiwillige “Loner” also Einzelgänger gibt, wird es auch Phänomene wie die Internetsucht geben. Nur ist es dann eben die nächste Generation. Flugsucht, Spacesucht oder was weiß ich was kommt. Gerade die Vernetzung der Menschen macht es einem Loner sehr einfach sich von der Außenwelt abzuschotten. Es ist ein wenig ironisch, aber wenn man sich die Menschen aussuchen kann, mit denen man zu tun hat, dann hat man plötzlich mehr Kontakte. Das Internet verbindet Menschen und teilt sie nicht, wie die “Experten” sagen. Es macht das Interagieren mit Menschen einfacher. Ein klick auf ein X und schön hört oder sieht man von einer Person nichts mehr. Das geht im normalen Leben nicht und das man sich nicht anfassen kann, ist das kleinste Übel. Oder wann hast du das letzte mal deinen besten Kumpel beabsichtigt angefasst?

Unsere moderne Welt vergisst man gerne, dass es Menschen gibt die, gerade in jungen Jahren, keine wirkliche Perspektive haben. Diese bekommen dann Diagnosen wie “ADS”, “ADHS” oder eben “INetS”. Internetsucht . Ein Gesellschaftliches Umdenken ist in vielen Bereichen unseres Leben notwendig und ich bezweifle, dass ich es noch mit erleben werde, dass etwas passiert. Aber ich denke, dass es kein Problem ist sich mit Menschen zu unterhalten die auch wirklich mit einem sprechen wollen. und es nicht nur tun, weil sie müssen oder etwas von dir wollen. Die Internetsucht ist keine Sucht, sondern eine Möglichkeit. Die Menschen müssen nur lernen damit Umzugehen. Oder habt ihr schon mal einen amoklaufenden Knuddels-Chatter gesehen?

Meine Meinung.


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