Meinung – Wieso wir keine eigene haben dürfen

Eine eigene Meinung zu haben war schon immer gefährlich. Man möchte meinen, dass wir heute eine so aufgeklärte Gesellschaft haben, dass wir getrost und problemlos unsere eigene Meinung kund tun und aussprechen können. Das ist leider nicht so. In diesem Artikel möchte ich auf die Problematik der Meinungsfreiheit im deutschsprachigem Raum eingehen.

Artikel 5

Artikel 5 Grundgesetz

Aktuell

(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.

(2) Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.

(3) Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. Die Freiheit der Lehre entbindet nicht von der Treue zur Verfassung.

Quelle: www.artikel5.de

So lautet das Grundgesetz in Deutschland. Über die Gültigkeit dessen darf man natürlich auch geschichtlich streiten, jedoch gehe ich in diesem Artikel von der allgemeinen Gültigkeit unserer “Verfassung” aus.

Wie bereits in meiner Seite “Über mich und meinen Blog” schrieb, ist es jedem frei seine Meinung zu äußern. Jedoch muss ich ihm dazu keine Plattform liefern. Nun ist es so, dass wir im Internet genügend Portale und Foren finden, in denen wir unsere Meinungen kund tun können. Heute mehr denn je steht uns die Möglichkeit offen, eine große Menge Menschen in kürzester Zeit zu erreichen. Sei es durch Youtube, Facebook, Foren oder, wie in meinem Fall, mit einem Blog. Das Problem ist damit allerdings auch, dass unsere Meinung damit immer öffentlich ist*. Wir präsentieren uns immer nach außen hin. An und Meinungfür sich ist dies kein Problem, allerdings kommt es immer auf die persönliche Stellung an. Wir haben durch Artikel 5 unseres Grundgesetzes zwar festgelegt, dass Jeder zu jeder Zeit seine Meinung äußern darf und diese nicht zensiert wird, allerdings bezieht sich dies ausschließlich auf die Gesetzgebung. Dies bedeutet, dass ich aufgrund eines Blogeintrages nicht verhaftet werden, oder sonstige rechtliche Schritte erwarten darf, solange ich nicht gegen weitere Gesetze verstoße.

* Öffentlich im Rahmen der Zugänglichkeit des Mediums.

Aber wieso wird dann auf Facebook gegen Flüchtlingshetzer ermittelt? Diese spezielle Situation ist tatsächlich in den genannten Fällen eine Straftat, weswegen sich nun auch Facebook selber Ermittlungen unterziehen muss. Wir haben es in diesen Fällen ganz klar mit Volksverhetzung (§130 StGB) zu tun. Durch die Untätigkeit Facebooks bezüglich der Hasspostings im Sommer diesen Jahres, werden die Manager der Mittäterschaft angeklagt, da diese Postings nicht entfernt wurden. Aktuell ist es allerdings so, dass das Pendel in die andere Richtung schwang, und auch Postings gemeldet und entfernt werden, die den Straftat der Volksverhetzung nicht erfüllen und nur die eigene Meinung und Erfahrungen (wahr oder gelogen sei nun einmal dahin gestellt) darstellen. Hier findet eine Zensur statt. Ich möchte hier keine direkte Kritik an Facebook äußern, da die Rechtslage ausgesprochen schwierig einzuschätzen ist – und jedes gemeldete Posting eigens durch einen Anwalt hingehend der Volksverhetzung geprüft werden müsste. Das kann sich aber nicht einmal Facebook leisten.

Was unsere Meinung begrenzt

Mit diesem kleinen Ausflug in die aktuelle Lage, möchte ich die Richtung weisen, in die dieser Artikel geht. Es ist so, dass wir als Deutsche nun einmal einen gewissen Ruf in der Welt haben. Daraus resultiert, dass wir als Deutsche nichts gegen Ausländer sagen sollten, so wie die Amerikaner nichts gegen maximalpigmentierte Menschen bzw. Andersfarbige… (damned, kann mir mal jemand den politisch korrekten Begriff für Menschen der afrikanischen Region mitteilen? Ich möchte ja keinem Fliegenträger auf den Schlipps treten.) Jedenfalls sollte ein U.S Amerikaner üblicherweise kein Wort gegen einen Menschen mit dunkler Hautfarbe erheben. Warum nicht? Das ist Geschichtsbezogen. Menschen sind unglaublich nachtragend.

Das Problem ist allerdings nicht nur die Geschichte, sondern die Tatsache, dass wir immer automatisch irgend etwas repräsentieren. In der Öffentlichkeit, in der wir uns nun einmal im Internet befinden, repräsentiert jeder von uns eine oder mehrere Gruppen von Menschen. Wenn wir das einmal herunter brechen, bin ich erst einmal  ein Erdling. Ich repräsentiere also galaktisch gesehen die Erde. Ich komme nun mal von diesem Planeten. Dann bin ich Europäer. Weiterhin bin ich Deutscher, aus NRW und repräsentiere (theoretisch) mein Heimatdorf. Des Weiteren bin ich ein männlicher, Weißer, im Alter Meinungzwischen 20 und 30 Jahren und Teil der Gruppe “ledig”. Man sieht, man kann auf jeden Aspekt, der nach Außen hin sichtbar oder relevant ist eingehen. Für jede dieser Gruppen und noch einige mehr, werde ich in bestimmten Foren (Nicht phpbb, sondern die Ursprungsdefinition von Plattform) einen Teil oder alle diese Gruppen repräsentieren. Ich gebe zu, im Rahmen des aktuell möglichen wird es schwierig sein den Planeten Erde zu repräsentieren, jedoch möchte ich zeigen wie abstrus die ganze Geschichte werden kann. Ich spare mir allerdings den Gang zur Milchstraße und dem Universum.

Im Rahmen unseres Freundeskreises, sofern einer vorhanden ist, können wir uns ganz normal austauschen, über den Arbeitgeber herziehen, politische Meinungen ungestraft äußern, etc. pp.

Im Internet allerdings ist man plötzlich Repräsentant, ohne dies je gewollt zu haben. So ist es, dass ein Deutscher nicht über Flüchtlinge reden soll, ein Bahnangestellter nicht über die deutsche Bahn herziehen soll und ein Zusammenschluss von Menschen mit der Aussage eines Einzelnen immer übereinstimmen muss, da dieser die Stimme dieser Gruppe ist. Immer.

Gruppenneutralisation

Ich nehme an, dass diese Denkweise dem menschlichen Schubladendenken geschuldet ist. Man wirkt nach Außen. Immer. Egal wie. Ein netter Spruch lautete einst:

Unglücklicherweise ist die sarkastische Intention genau der Punkt, an dem unser Gruppendenken scheitert. Diejenigen unter euch, die meinem Blog schon länger Aufmerksamkeit schenken, (Danke an dieser Stelle) werden bereits gemerkt haben, dass ich meine Artikel sehr gerne mit den beiden Wörtern “Meine Meinung” abschließe. Ich halte dies tatsächlich für wichtig, denn wenn ich eine Aussage treffe, so treffe ich sie für alle Gruppen denen ich freiwillig und unfreiwillig zugehöre. Das war nie die Absicht. Ich möchte nicht für alle weißen Männer in Deutschland auf dem Planeten Erde im Alter zwischen 20 und 30 sprechen, sondern ausschließlich für mich. Denn ich schreibe diesen Artikel und ich vertrete diese Meinung. Ich kann doch gar nicht wissen, ob die anderen weißen Männer der selben Meinung sind, ohne sie zu fragen. Ich werde meine Meinung aber auch nicht mit ihnen Abstimmen, denn dann vertrete ich ja innerhalb dieser Diskussion weiterhin meine Meinung und zum Teil die Meinung einer Gruppe, der die anderen weißen Männer aus Deutschland vom Planeten Erde nicht angehören. Also müsste ich weiter in die Gruppen eintauchen. So kommt zu dem männlichen weißen Deutschen des Planeten Erde in der Milchstraße, der in NRW aufwuchs in der XXXStraße Hausnummer in Ort, Postleitzahl noch die Größe von 1,86m hinzu, während er braun-blonde ungefärbte Haare trägt, welche meist einen Kurzhaarschnitt aufweisen, der bis auf ein bereuenswertes Mal, keinen Kontakt mit Illegalen Rauschmitteln hatte, der […].

Ihr seht worauf ich hinaus möchte. Das ganze kann man so sehr ins Detail ziehen, dass meine DNA mit involviert ist und spätestens ab diesem Zeitpunkt bin ich (meines Wissens nach) wieder individuell mit meiner Meinung.

Meine Meinung / Statement

Dieses System ist totaler Bullshit. Wenn Diskussionen geführt werden, so vertritt jeder seine Meinung. Wenn es nicht gerade ein gewählter Volksvertreter oder Gruppensprecher mit einer offiziell markierten Aussage ist, so spricht doch jeder für sich selbst. Wenn ein Staatsdiener in einem Facebook Post, welcher nur für seine Freunde sichtbar ist, einen negativen Beitrag über die Regierung schreibt, so ist das seine Meinung. Man kann dieser zustimmen oder es lassen, sie aber keineswegs diese Meinung als die Meinung des gesamten Staats oder seines Amtes darstellen. Ebenso ist es mit Gruppen. Innerhalb dieses Blogs bildet die Leserschaft eine Gruppe. Der Blog ist zwar öffentlich, jedoch würde niemand behaupten, dass meine Meinung nun die Meinung aller weißen männlicher (lassen wir das) wäre, Sondern schlicht die von Drizzi. So ist es auch in Facebook. So ist es in einem Forum, so ist es auf der Straße, so ist es auf einer Demo und so wäre es verdammt nochmal auch in einer politischen Diskussion. Ich vertrete meine Meinung und nicht die der Gruppen denen ich angehöre. Denn ich bin ein eigenständig denkender Mensch, der seine Meinung äußert, sofern er sich eine darüber gebildet hat. Meinungen, welche auf gefährlichem Halbwissen beruhen sind zwar, wie der Name bereits impliziert, sehr gefährlich, aber immer noch die Meinung einer einzelnen Person, es sei denn, es bekennen sich mehrere Personen zu dieser Meinung. So hat man erneut eine neue Gruppe.

Konsequenzen

Ich nehme an dieser Stelle gerne Anonymous als Beispiel.

Jeder kann sich einfach so als Teil von Anonymous ausgeben, da diese Gruppe darauf ausgelegt, dass jeder Anonymous ist. Nun ist es so, dass es keine offizielle Stimme gibt, die Anonymous vertritt, sondern nur die einzelnen Mitglieder. (Grob gesprochen, Details folgen in einem späteren Artikel)

So ist es, dass jeder Teil des Kollektiv eine andere Meinung zu einem Thema haben kann. Dennoch ist die Gruppe intakt. Warum? Weil sie sich nicht von Außen unter Druck setzen lassen. Anders als wir Normalos haben Mitglieder des Kollektivs den Vorteil keine Gruppe außer Anonymous zu vertreten, da diese Einzelheiten nun einmal weder relevant noch bekannt sind.

Wenn wir im Gegensatz dazu nun den fiktiven Herrn Winter nehmen. Herr Winter ist Angestellter bei einem großen Callcenter, welches sich selbst allerdings gerne als “IT-Dienstleister” bezeichnen möchte. Also werde ich dies nun auch tun. Herr Winter ist nun also bei diesem “IT-Dienstleister” tätig und macht seinen Job. Nun ist es so, dass Menschen mit Technik-Tourette meistens nicht unbedingt die umgänglichsten Menschen sind. Diese rufen Herrn Winter jeden Tag an und beschweren sich, machen Druck und im schlimmsten Fall beschimpfen sie unseren Herrn Winter noch, obwohl er eigentlich nur seine Neun Stunden am Telefon absitzt und die Probleme aufnimmt. Gefrustet kommt social-media-748110_640Herr Winter also nach Hause und loggt sich in sein Facebook Profil ein. Ein Statusupdate und einige Kommentare später, in denen er über die Arbeitsbedingungen beim “IT-Dienstleister” und den inkompetenten Idioten beim Kunden “Kunde mit IT Umgebung einfügen” geschimpft hat, geht es ihm etwas besser. Er isst noch etwas und geht ins Bett. Am nächsten Tag darf er seine Sachen packen, seinen Resturlaub nehmen und nach Hause gehen. Er wurde gekündigt. Ein Pressesprecher teilt einen Tag später mit:

„Wir bedauern den Kommentar unseres ehemaligen Mitarbeiters. Weitere Schritte wurden eingeleitet“

Diese kleine Anekdote ist bereits vorgekommen. Die Gerichte entscheiden in solchen Fällen hauptsächlich nach Art und Schwere der Beleidigungen und ob eine direkte Verlinkung zur Firma im Profil zu sehen ist, aber dennoch. Herr Winter hat in seiner FREIZEIT in seinem Profil privat ohne Bezug auf das Unternehmen einen Kommentar verfasst, den niemanden direkt beleidigt, sondern nur “Mitarbeiter des Unternehmens”. Da keine direkte Person angesprochen wurde, ist der Tatbestand der Beleidigung doch sehr stark zu bezweifeln und auch Rufmord ist keine Option, da solcherlei Posts mehrfach im Rahmen anderer Urteile, ohne Firmenkontakt, abgelehnt wurden. Kunden beschwerten sich massiv auf der Facebook Page über die Mitarbeiter im Telefonservice bei *-******. Wieso zensiere ich das hier eigentlich? Es war T-Online.

Herr Winter hat mit seinen Aussagen nie die Sichtweise der Firma dargestellt, sondern nur seine Eigene. Artikel 5 des Grundgesetzes müsste hier greifen. wird er aber nicht. Obwohl keine rechtliche Grundlage in den Gesetzen oder dem Arbeitsvertrag zu finden ist, ist die Kündigung rechtens und wird durchgesetzt. Herr Winter klagt nicht, da er dank seiner Abfindung umziehen kann und sich seinen Traumjob als selbstständiger Fernfahrer erlauben kann. Wäre er vor das Arbeitsgericht gezogen hätte diese Kündigung gegebenenfalls zurück genommen werden können, allerdings hätte man jeden Vorwand genommen ihn zur Kündigung zu bringen.

 

Fazit

Was sagt uns das nun? Im Endeffekt ist der Mensch dumm. Los verklagt mich.

Nein, natürlich ist er nicht dumm. Er legt sich nur alles gerne so hin, wie er es gerne hätte. Passt es einem in den Kram, dass jemand meine Meinung in anderen Positionen teilt, diese jedoch nicht hoch genug ist, wird halt davon ausgegangen, dass die gesamte Gruppe der er angehört die selbe Meinung vertritt. Ist das Thema allerdings ein Streitthema, so wird man gerade negative Aussagen auf die Gruppe auslegen. Hat man nur ein Interesse an einem Thema oder einer Diskussion, wird man die Meinung der Person als die sehen, die sie ist. Seine Meinung. Die Meinung einer einzelnen Person. Da offizielle Aussagen zwar markiert werden und häufig eher mit “unser Unternehmen/Gruppe meint, dass” beginnen anstatt mit “ich meine, dass” ist es eigentlich recht leicht ersichtlich, was eine eigene Meinung darstellt, und welche die einer Gruppe. Da dies allerdings, gerade in den übervorteilten Oppositionen der Diskussionen/Themen gerne mal beabsichtigt außer Acht gelassen wird, sollte man seine Meinung, meiner Meinung nach, mit folgenden Worten beenden:

 

Meine Meinung.


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