Life is Strange Spieleempfehlung

Life is Strange ist ein Spiel, welches für mich ein wenig Überzeugungskraft benötigte. Mit der im Oktober abgeschlossenen Geschichte habe ich mir den Titel einmal etwas genauer angesehen und nun die erste Episode durchgespielt. Mein Resümee zu life is Strange, persönliche Eindrücke und auch Probleme erläutere ich in diesem Artikel.

Für dieses Spiel sollte man englisch beherrschen.

Der Entwickler von life is Strange

Die Entwickler von Square Enix hatten bereits in der Vergangenheit gezeigt, dass sie unglaubliche Geschichten erzählen können. Titel wie Final Fantasy, Dragon Quest und Kingdom Hearts zeigten sehr gut, dass Action RPG Spiele nicht nur pure Grinder sein müssen. Aber auch im reinen Actionspielgenre konnte das Entwicklerstudio mit Just Cause 2 (und nun auch Teil 3), sowie Hitman durchaus Erfolge feiern.

Anmerkung des Chronisten: Natürlich ist Square Enix der Publisher der Spiele. Der Entwickler ist Dontnod Entertainment. Dieser Entwickelte 2013 bereits das von mir gefeierte Spiel „Remember me“ und das mir noch unbekannte Vampyr (Geplantes Erscheinungsjahr 2017).

Nach dem Erfolg des Episodenformats der Telltale Spiele, war es abzusehen, dass sich auch andere große Publisher an dieses Format wagen wollen. Life is Strange verfolgte ein Episodenformat und wurde mit fünf Teilen zu zwischen zwei und fünf Stunden ausgelegt. Diese sind nun abgeschlossen und  kostet im Komplettset aktuell auf Steam 19,99$.

Eine Übersicht zu life is Strange

Life is Strange ist eine Mischung aus Point and Click Adventure ohne Clicks, und dem recht beliebten Genre des Geschichtenerzählens, wie es bei Telltale Games üblich ist. Der Charakter wird vergleichsweise frei gesteuert und bietet jede Menge Hintergrundinformationen.

Ich stelle mir die Geschichte der Entwicklung in etwa so vor:

Die Jungs von Square Enix ließen sich von bekannten Episodenspielen wie “The Walking Dead” und “The Wolf among us” von Telltale Games, sowie von den Klassikern von Bethesda wie Skyrim und Fallout  inspirieren. Das Problem an der Sache ist, dass man man jedem Gespräch das Gefühl hatte, dass die andere Gesprächsoption doch die bessere Wahl gewesen wäre.

Den Jungs und Mädels wurde das Laden des alten Spielstandes schnell zu nervenaufreibend und implementierten in life is Strange kurzerhand eine Schnelladefunktion. Anders als gewohnt, ist dies allerdings keine Menüfunktion sondern die Hauptfähigkeit der Protagonistin Max. life is strange rewindDiese schüchterne, 18 Jahre junge, Fotografin (in Ausbildung) findet am Anfang des Spiels nämlich heraus, dass sie eine Fähigkeit hat, die sie “rewind” nennt.

Mit dieser kann sie Gespräche im Nachhinein erneut durchlaufen und Informationen aus dem vorhergegangenen Gespräch als Gesprächsoption verwenden. Auf diese Weise bekommt man die Menschen schon recht gut dazu mit den Informationen heraus zu rücken die man haben möchte. Auch diverse Situationen lassen sich zu eurem Vorteil verändern. An dieser Stelle möchte ich jedoch nicht zu viel verraten.

Mein erster Eindruck von life is Strange

Bereits in den ersten paar Spielminuten in life is Strange wurde klar, dass das Spiel sehr Storylastig ist und je mehr man sich mit dem Charakter beschäftigt, desto besser lässt sich die Reaktion unseres kleinen Hipsters voraussehen. Es kostete mich ein wenig Überwindung das bereits zu 8 Seiten beschriebene Tagebuch durchzulesen, brachte mich allerdings in den folgenden Gesprächsoptionen ein gutes Stück weiter.

life is strange Max in ihrem Zimmer

Max in ihrem Zimmer

Gemeinsam mit Max, unserem Charakter in life is Strange, erforschen wir unsere neu gewonnene rewind Fähigkeit und retten damit direkt einmal ein Leben. Wir lernen viel über das Leben auf der Senior hight School. Dieses ist so klischeehaft Dargestellt, wie man sich als typischer Deutscher nun einmal vorstellt. Cliquen, die coolen Kids, irgendeine elitäre “Gruppe” die mehr als Sekte durchzugehen scheint und natürlich die Geeks, zu denen wir selbst auch zählen.

Wie bereits erwähnt, bin ich eigentlich kein Freund von solchen Episodenspielen und auch nicht von diesen Spieleerzählungen wie Jurrassic Park – The Game. Life is Strange allerdings hat mich in kurzer Zeit so gefesselt, dass ich kein anderes Spiel mehr an diesem Abend angefasst habe. Die clevere Musikuntermalung, welche immer dann einspielt wenn der Charakter selber Musik hört, passt sich sehr stimmig der Situation an und hinterlässt einen zum Teil bedrückenden, aber dennoch sehr friedlichen Gesamteindruck der Situation.

Generell ist die Geräuschuntermalung, zumindest in der ersten mir bekannten Episode, so gut in Szene gesetzt, dass ich mich teilweise in meinem Stuhl zurückgelehnt habe und die Situation auf mich wirken lassen habe. In einem Teil der Geschichte spielt Max beispielsweise eine Gitarre. Es sind nur 2-3 Akkorde und optisch passiert, außer einem sich wiederholenden Rundblick durch ihr Zimmer, nicht viel, aber die Stimmung und Akustik ist so gut umgesetzt, wie man es von einem guten Geschichtenerzähler erwartet.

Der Aufbau von life is Strange

Life is Strange verwendet die Unreal Engine 3, welche die typischen und teils imposanten Lichtspiele ermöglicht. Die Charakterdesigns sind unglaublich detailreich gehalten und Grafikfehler sind mir bis zum jetzigen Zeitpunkt nicht unter gekommen. Nicht einmal bei der Schattenberechnung. Ein enormer Pluspunkt! Auf der Audiobasis kann man, wie schon angedeutet, nicht meckern. (Siehe hierzu die Anmerkung des Chronisten am Ende des Absatzes)

Der Musikgeschmack mancher Charaktere ist mir persönlich zwar ein wenig zu … strange, aber sie passt immer zur Situation und auch die Hintergrundgeräusche der Szenarien wirken nie “blechern” oder erzwungen, wie es in Dragon Age Origins beispielsweise der Fall war. Die Steuerung geht gut von der Hand. Allerdings sind bereits 3 Knöpfe des Controllers für die Rewind Funktion belegt. Verwechselt man versehentlich sprinten mit dem schnell-rewind zum Anfang des letzten Gespräches, so darf man das gesamte Gespräch mitsamt seinen gewünschten Gesprächsoptionen wiederholen.

life is strange Actionshot

Dies kann unter Umständen ein sehr langwieriger Fehler werden (Gott, das Zitat von John Lennon “life is what happens when you are making other plans” habe mich mir nach so vielen Wiederholungen bereits gemerkt). Nachdem ich die Steuerung allerdings ein wenig angepasst hatte, passierte mir auch dieser Fauxpas nicht mehr. Ich empfehle im Übrigen die Steuerung über das Gamepad. Es gibt zwar meines Wissens nach keine Quicktime-Events, allerdings ist es deutlich angenehmer sich vor dem PC, Beamer oder Fernseher zurückzulehnen und Max sprechen zu lassen, als steif an der Tastatur zu hocken.

Die Gesprächsoptionen werden ausgesprochen klar und groß dargestellt, sodass auch Konsolenspieler kein Problem haben sollten. Einzig die Action-Situationen benötigen ein gutes Auge, oder aber ein “nach-vorne-Lehnen” mit dem typischen “WTF?!” Blick.

Ruckler sind auch auf meinem, etwas in die Jahre gekommenen, System nicht zu merken. Auch mit geöffnetem Firefox lässt sich das Spiel flüssig und ohne übertriebene Wärmeentwicklung spielen. (siehe ADC)

Die Synchronisation der Stimmen ist ausgezeichnet umgesetzt. Man hat nicht das Gefühl, dass irgendwo eine Versetzung vorhanden ist. Die Charaktere agieren so wie sie sollen und die Stimmungen und Gefühle der Gesprächspartner und der Protagonstin werden hervorragend vermittelt. Aussetzer der Sprachanimation, während der Sound weiter läuft, konnte ich bis Dato nicht feststellen.

Anmerkung des Chronisten: Hier wurde gepatcht! Und zwar gewaltig! Zum Start der Serie, am Anfang dieses Jahres, strotzte das Spiel nur so vor Sprachanimationsproblemen und unlogischer Physik. Hier ein großes Lob an die Entwickler!

 

Die Vorzüge von life is Strange

Neben den teils knackigen Rätseln machen gerade die Charaktere in life is Strange den Reiz aus. Max ist zum knuddeln niedlich und erfüllt auf eine überzeugende Art und Weise das typische “kleine Schwester” Image. Mal abgesehen von der Tatsache, dass wir selbst diesen Charakter steuern möchte man von Charakterdesign einfach nicht, dass dieser Antiheldin (zumindest in Episode 1) irgend etwas schlimmes passiert. Am liebsten würde man sie in Luftpolsterfolie einwickeln und rum rollen.

Wenn man möchte erhält man durch die Interaktion mit Gegenständen und dem Journal weitere Informationen zu den Charakteren mit denen man Interagieren kann. Ebenfalls können bestimmte Gegenstände im Inventar oder in der Umgebung weitere Gesprächsoptionen freischalten, was zum Erkunden einlädt. Je mehr Zeit man sich lässt, desto tiefer taucht man in das Universum von life is Strange ein. Allerdings muss man sich die Zeit für dieses Spiel nehmen.

Der Wiederspielwert ist enorm, da sich die Gesprächsoptionen und die Geschichte durch das gesamte Spiel hin aufgrund eurer vorhergehenden Aktionen beeinflussen lässt. Spielt man mit einem guten Gewissen, aber rachsüchtig, so erhält man andere Möglichkeiten und Optionen als ein Charakter mit ausschließlich “guten” Entscheidungen, dieser allerdings wieder andere als jener der einfach nur bitchy ist.

Max selbst kommentiert ihre Aktionen gedanklich und zeigt, neben einer Einblendung auf dem Bildschirm, an, dass diese Aktion Konsequenzen hat und welche Option ihr unter Umständen lieber wäre.

Die Nachteile von life is Strange

Natürlich gibt es auch einige Nachteile in life is Strange. Am schwersten wiegt hier natürlich das Episodenformat. Mich nervte es bereits bei the Walking Dead das ich ewig auf die Fortsetzung der Geschichte warten musste. Ich installiere ein Spiel und erwarte, dass die Geschichte auch abgeschlossen ist oder zumindest genug Material bietet um den Handlungsstrang komplett abzuschließen. Der Preis ist mit 4,99$ pro Episode zwar gerechtfertigt, allerdings ist und bleibt es nun einmal ein Episodenspiel. Ich verachte so etwas eigentlich.

Wie bereits erwähnt, sind einige “Rätsel” ein wenig knifflig, da man nicht wirklich weiß was genau man tun soll. Zwar wird bei einer verlorenen Chance durch Max und einer Einblendung darauf hingewiesen wohin die Richtung gehen soll, wie man diese allerdings erreichen soll bleibt (logischerweise) ungewiss. Bei sehr kleinen Monitoren könnte dies allerdings zu Komplikationen führen, da dort die benötigten Gegenstände teils doch recht schwierig zu erkennen sind (Ich sage nur Sprinkler. Ihr werdet es sehen… Oder auch nicht.). Bisher konnte ich allerdings ohne weiteres alle Rätsel und Optionen lösen ohne auf eine Komplettlösung oder Ähnliches zurückgreifen zu müssen. Fair enough.

Gerade die Fülle an Interaktionsmöglichkeiten ist es jedoch, die einem das ganze Spiel über im Hinterkopf behalten lässt, dass man irgend etwas vergessen oder verpasst hat. Dazu gehört auch das Fotosystem, welches quasi die Errungenschaften darstellt. Man hat pro Abschnitt die Möglichkeit einige Fotos zu schießen. Diese werden bereits vorher im Journal angedeutet. Zumindest die Umgebung wird gezeigt.life is strange bath

So können wir beispielsweise von einem gestürzten Skateboarder, nach Auswahl der benötigten Optionen, ein Bild schießen. Als ausgegraute Zeichnung war vorher ein zerbrochenes Skateboard zu sehen. Als Bild hatten wir dann einen jungen Mann, der sein Skateboard in die Weichteile bekommen hatte und sich schmerzverzerrt am Boden wälzt. Das war zu Beginn ein wenig irritierend (und durch die Empathie ähnlich schmerzhaft für mich).

Eigentlich ist das ein Vorteil, jedoch ärgert es unglaublich, wenn man das Gebiet wechselt, ein neues Foto schießt und sieht, dass man im vorhergehenden Abschnitt eins vergessen hat. Es gibt, trotz rewind Funktion, kein Zurück. Man müsste das Kapitel erneut starten und das ist es ja, was wir eigentlich nicht wollten. Es lädt allerdings auf einen weiteren Durchgang ein.

 

Fazit zu life is Strange

Life is Strange bietet eine Menge für kleines Geld. Spielerisch ist es ein typisches Adventure, setzt sich durch gute Dialoge und saubere Storyführung von einigen Konkurrenten ab. Ich habe bewusst zum jetzigen Zeitpunkt einen Artikel über das Spiel verfasst, da sich die Story definitiv noch ändern wird. Ein Nebenstrang der aktuellen Geschichte handelt von Rachel Amber. Diese wird vermisst. Ich wollte den Artikel schreiben bevor ich weiß, was mit dieser ist, denn ich will nicht versehentlich spoilern. Ich gehe stark davon aus, dass die technischen Details das Spiel über gleich bleiben. Da die Story bei der Entwicklung bereits fest stand, dürfte Zeitdruck den Entwickler nicht dazu gebracht haben einen Teil zu früh veröffentlicht zu haben. Da die Geschichte allerdings abgeschlossen ist, und der Übergang fließend ist, dürfte es nicht einmal auffallen, wenn dem so gewesen wäre.

life is strange

Natürlich bietet life is Strange nicht die Möglichkeiten die ein Buch hat und das möchte es auch gar nicht. Es möchte eine interaktive Geschichte erzählen wobei die Rahmenbedingungen etwas lockerer gehalten werden, als bei Spielen der ähnlichen Kategorie. Anders als bei tales from the Borderlands, haben die Gespräche wirklich einen gewissen Einfluss auf die Geschichte und nicht nur auf die “Wahl der Waffen”. Dank Communitypatch gibt es auch die Möglichkeit mit deutschen Untertiteln zu spielen. Von der deutschen Fan-Synchronisation rate ich allerdings dringend ab! Die englischen Synchronsprecher vermitteln die Stimmung und den Charakter der Figuren so gut, dass die Patches schlicht leider nicht damit mithalten können. Wer also ein Wochenende Zeit hat und sich gerne eine Geschichte erzählen lassen möchte, die spannend und unglaublich gut in Szene gesetzt ist, der wird die 20€ hervorragend investiert haben. Alle anderen dürfen beim Steam-Sale zuschlagen. Spätestens ab 10€ wird das Spiel meiner Meinung nach zu einem Pflichtkauf für jeden Geschichtenliebhaber. Wem Dragon Age Origins gefallen hat, der wird mit life is Strange auch seine Freude haben. Episode 5 ermöglicht nun den Kauf des Komplettpaketes für 20 Steam Euro, oder aber hier für aktuell 12,81€.

Anmerkung zu Let’s Plays

Life is Strange ist nicht für Let’s Plays zu empfehlen. Der Zuschauer kann die Geschichte nicht beeinflussen und wird wohl häufig nicht mit dir einer Meinung sein, wie eine gewisse Situation zu handhaben ist. Einzig Lifestreamer mit einer schnellen Umfrageauswertung dürften hier Erfolg haben.

Als Zuschauer eignet es sich aus oben genanntem Grund ebenfalls nicht wirklich, sich ein solches Let’s Play anzuschauen. Das gesamte Feeling geht verloren. Ich hatte life is Strange ja bereits einige Monate auf dem Schirm und hatte den Fehler gemacht mir ein Let’s Play über 5 Minuten (das Tutorial) anzusehen. Die Geschichte nimmt nur langsam fahrt auf und wirkt am Anfang langweilig und Öde, vor allem, wenn man nur zuschaut und irgendein Hansel dazwischen labert. Die gesamte Atmosphäre geht verloren, auch weil man sich eben nicht mal die Zeit nehmen kann um Max beim Gitarre spielen zu lauschen oder den Introsong zu genießen, während man durch die Hallen der Blackwell Academy schlendert.


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Bewertung
  • Audio
  • Grafik
  • Story
  • DLC/Microtransactions/Episoden
  • Gameplay
4

Kurzfassung

Echte hardcode-Adventurefans werden in diesem Spiel nichts Neues finden. Es wird allerdings auch nicht verkehrt sein sich das Spiel anzusehen. Allen anderen ist das Spiel sehr zu empfehlen, gerade wenn man ein wenig Zeit mit bringt und sich wirklich darauf einlässt. Die Geschichte rund um Max lässt einen nicht mehr los und man ist immer gespalten zwischen „los los mach weiter, ich will wissen wie es weiter geht“ und „Hmmm… Sollte ich vielleicht doch lieber das und das sagen?“
Alles in allem ein sehr schönes und zu Ende gedachtes Spiel, welches sich nicht zu viel Zeit mit der Veröffentlichung lies. Für 12,81€ ist es durchaus kaufbar und bietet mehr Spielzeit als ein Call of Duty Singleplayer.

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