Billig oder teuer? Ein neues Hobby

Billig oder Teuer?

You get what you pay for. Zu deutsch: Du bekommst wofür du bezahlst.

Üblicherweise wird dieser Spruch bei Gelegenheiten verwendet, bei denen besonders billige oder besonders teure Gegenstände beurteilt werden. In diesem Artikel werde ich euch beispielhaft belegen, dass teuer nicht immer besser sein muss.

Vorwort (Billig = Günstig?)

Ich werde vielen wahrscheinlich nichts neues sagen, wenn ich behaupte, dass alle Sortimente mindestens eine Produktreihe haben die vollkommen überzogene Preise fordern, ohne einen wirklichen Mehrwert zu bieten.

Andererseits gibt es natürlich auch genügend Produktreihen, welche günstige Alternativen bieten.

Moment einmal. Günstig? Ist das nicht das gleiche wie billig?

billig BatterieNein. Von billig spricht man, wenn man zu sehr niedrigen Preisen ein Produkt oder eine Dienstleistung mit ernsthaften Mängeln in der Verarbeitung oder im verwendeten Material erhält, bzw. eine Dienstleistung die kaum der Bezeichnung gerecht wird.

Günstig ist etwas, wenn das Preis/Leistungsverhältnis zu Gunsten des Preises liegt. Eine Batterie mit 1,5 V, die meine Taschenlampe 24h lang brennen lassen kann für 3,99€ (im Viererpack) ist günstig.

Eine Batterie die 0,99€(im Achterpack) kostet und die Lampe meinetwegen nur 4 Stunden laufen lassen kann ist schlichtweg billig.

 

Die goldene Mitte

Beinahe in jedem Sortiment in dem ich bisher nach Artikeln gesucht habe, ist mir schmerzlich bewusst geworden, dass es nur zwei wirkliche Preisklassen gibt.

Teuer und Brauchbar, und billig und Schrott.

Die gehobene Mitte oder das brauchbare Unterfeld gibt es kaum noch. Man muss schon eine ganze Weile suchen, Abstriche machen, bestimmte Voraussetzungen ausmerzen und den ein oder anderen Luxuszusatz von der „must have“ Liste streichen um ein Produkt in brauchbarer Qualität für einen vernünftigen Preis zu finden.

Ich suche Beispielsweise bereits seit einigen Monaten nach einer Hängematte. Sie sollte einen doppelten Boden haben, um eine Isomatte unter legen zu können, und aus Fallschirmseide bestehen. Der Preis sollte bis maximal 30€ inklusive Aufhängung sein. Da hapert es schon. Zwar gibt es Modelle aus Fallschirmseide in diesem Preissegment, jedoch verfügen sie entweder nicht über einen doppelten Boden / Moskitonetz oder sie haben keine Aufhängung dabei.

Auch bei Messern findet man so etwas. Da hat man den Chinesischen Markt mit seinen 2,50€ billig Messern, die selbst geschärft nur einen halben Ast entrinden können, und die Spezialmesser von Fachhändlern die nicht nur schnitthaltig sind, sondern auch leicht nachzuschärfen mit einem Stückpreis von 200€ + . Dazwischen rangieren zwar noch einige Anbieter, diese haben aber entweder die Reihe nur nebenher laufen (Walther) oder aber die Messer sind mehr auf Show ausgelegt, als auf effektivem Nutzen.

Nun ist es so, dass meine Taschenmesser meistens Massenware aus dem Penny sind und ich nur feststehende Messer beim Händler kaufe. Als Alltagsgegenstand sind die Klappmesser aus dem Aldi/Penny/Discounter für 4,99€ – 9,99€ echt zu gebrauchen. Sie sind vor allem schnitthaltig, können aber nicht wirklich leicht nachgeschärft werden. Da braucht es ein wenig an Erfahrung für, aber ansonsten kann ich da echt nicht meckern. So etwas wünscht man sich öfter.

Das Beispiel der goldenen Mitte (Bushcraft)

Ich hatte eben von dieser goldenen Mitte geschrieben. Es gibt einige Firmen, die genau diese Mitte abdecken möchten. Mit günstigen und für den Preis qualitativen Gegenständen.

Die Firma Mil-Tec ist eine solcher Firmen. Sie baut hauptsächlich Bundeswehr- und Einsatzausrüstung nach um diese dann relativ günstig zu verkaufen.

Das Thema Tarp als Beispiel wird in unseren Kreisen recht hitzig diskutiert. Mil-Tec bietet die so genannte Kommandoplane an. Das ist ein Tarp mit Schlaufen und Ösen, welche einigermaßen sauber verarbeitet sind und an und für sich für den normalen Outdoormenschen, der ein bis zwei Tage draußen bleibt, vollkommen in Ordnung.Das Tarp tarp billighält eine ganze Menge Wasser ab und ist deutlich leiser als eine übliche Baumarktplane. Allerdings hat die Firma Mil-Tec den Ruf nur Müll zu produzieren, woher auch der Kosename „Müll-Tec“ kommt. Ich persönlich habe einige Ausrüstungsgegenstände von Mil-Tec und hatte bisher auch keine Probleme mit diesen. Man muss sich nur bewusst machen, dass diese Produkte eben nicht für den wirklichen Kriegseinsatz geschaffen sind, und man daher nicht die gleiche Robustheit erwarten kann. Solange man allerdings nicht versucht das Tarp als Fallschirmersatz zu verwenden oder erwartet, dass es mit scharfkanntigen Steinen beworfen werden kann, ohne dass es einreißt (Rippstop material reißt nie durch), so hat man durchaus lange Freude an dem Produkt.

Diese Vorurteile ziehen sich durch die gesamte Produktpalette. Von Messern, über Schuhe bis hin zum Medikit. Überall wird rumgenörgelt. Wie gesagt, you get what you pay for. Mil-Tec hat es allerdings geschafft brauchbare Ausrüstung zu einem erschwinglichen Preis zu verkaufen. Das kann nicht jeder.

Wenn ich beispielsweise eine Mil-Tec Jacke für 30€ nehme, habe ich eine atmungsaktive Jacke mit vielen schön großen Taschen und etwas Gewicht. Nehme ich im Vergleich eine „Outdoor“ Jacke von, nur als Beispiel, Jack Wolfskin, so habe ich eine qualitativ schlechtere Jacke für den 10 fachen Preis.

Ebenso verhält es sich mit Messern und Gegenständen von Bear Grylls. Die Messer sind an und für sich nicht schlecht, ihren Preis aber nicht wert.

Dem Gegenüber stehen nun die China Waren, welche zwar sehr günstig sind, mit Glück aber auch nur ein einziges mal zu gebrauchen sind. Wenn sie überhaupt funktionieren.

Ein Beispiel dessen wäre der Feuerstahl, den ich einst für 1€ kaufte. Sieht nett aus, war ’ne pfiffige Idee, aber ich habe im Leben noch kein Feuer mit dem Ding an bekommen. Raus geworfenes Geld.

Beispiel Hobbies

Gerade dann wenn man ein neues Hobby beginnt, möchte man im Zweifel nicht direkt Unsummen für das Equipment ausgeben. Das macht auch Sinn.

Kauft man sich günstige Ausrüstung, so muss man später gegebenenfalls teure Ausrüstung nachkaufen. Effektiv bezahlt man mehr.

Nehmen wir zum Beispiel Inline Skates. Natürlich sollte man auf Sicherheit achten und daher nicht unbedingt die 20€ Dinger aus dem Aldi kaufen. Die Skates dürfen schon etwas brauchbarer sein. Immerhin vertrauen wir ihnen unsere körperliche Unversehrtheit an. Natürlich kaufen wir bei jeder Vorgehensweise Protektoren und einen Helm.

Inliner

Vorgehensweise 1: Wir kaufen also von K2, oder einem anderen Markenhändler, „gute“ Skates. Sie sind aus dem untersten Preissegment und bieten kaum Extras. Sie sind ganz normale, keine speziellen Skates. Wir üben ein wenig damit, fahren durch die Gegend und merken irgendwann, dass wir eine gewisse Vorliebe entwickeln. Dies kann meinetwegen Langlauf, Geschwindigkeit, Downhill oder die Skatebahn sein. Die Anfängerskates kosteten uns 90€. Da wir den Sport nun über ein Jahr lang mit Begeisterung machen, steigen wir nun auf Skates für 150€ um. Diese Skates bieten Extras von denen wir wissen, dass wir sie brauchen können und werden uns viele Jahre gute Dienste leisten.

Effektive Kosten: 210€ in 2 Jahren. Kauf neuer Skates: Unvorhersehbar.

inliner billigVorgehensweise 2: Wir kaufen sehr günstige Skates aus dem Aldi. Wir fahren eine weile damit, aber die Skates passen sich nicht wirklich gut den Füßen an. Die Rollen sind nicht passgenau und man „rollt“ nicht wirklich, sondern geht mehr, weil die Rollen sich andauernd verkannten. Wir stürzen weil in einer Kurve die Rollen abbrechen.

Uns vergeht die Lust an dem Hobby und die Skates wandern in den Müll.

Effektive Kosten: 20€ zusätzlich gebrochenem Knöchel. Kauf neuer Skates: Unwahrscheinlich

 

Vorgehensweise 3: Wir kaufen Downhill Skates von Rollerblade für 250€. Wir fahren damit den ein oder anderen berg herunter, merken jedoch schnell, dass das nicht wirklich alltags tauglich ist. Durch den hohen Versatz der Rollen können wir die Bahnstrecken nicht ausprobieren. Nach einer Weile merken wir, dass wir ganz gerne zum Einkaufen in die Stadt fahren und dort auch die meiste Zeit mit den Skates verbringen. Wir legen die Downhill Skates also für Ausflüge in den Schrank und besorgen uns für 200€ wendige Speedskates. Damit fahren wir im Alltag durch die Gegend und freuen uns des Lebens.

Effektive Kosten: 450€ + 2x Pflegematerial + 2x Spezialwerkzeug. Kauf neuer Skates: Sobald wir von der Skatebahn erfahren und uns Stuntskates besorgen wollen.

 

Natürlich ist in der Frage der Sicherheit die Vorgehensweise 3 am ratsamsten. Durch die Dauerhafte Markenqualität und saubere Verarbeitung kan man davon ausgehen, dass die Skates den ein oder anderen Sturz vertragen. Allerdings sind diese nicht für Anfänger geeignet, da sie weniger Fehler vergeben als die Standard-Anfängerskates.

Außerdem ist der Kostenaufwand enorm. wenn man die Lust nach den Speedskates verliert, hat man viel mehr Geld ausgegeben als jemand, der die Sache erst einmal langsam angehen möchte. Auch finanziell.

Vorgehensweise 2 ist generell nicht zu empfehlen. Ich möchte nicht die Skates von Aldi schlecht machen. Meist sind es ja K2 Schuhe, welche eher den Hobbyskater bedienen möchte, aber es ging mir hier um das Prinzip. Billige Artikel sind meistens einfach so schlecht, dass sie einem von vorne herein den Spaß am Hobby nehmen können.

Vorgehensweise Nummer 1 ist, wie die Liste schon sagt, meine persönliche Nummer 1. Lieber etwas länger informieren und Einsteigergegenstände kaufen um sich zu orientieren. Sobald man weiß, was seine Bedürfnisse sind, kann man über den Kauf speziellerer Ausrüstung nachdenken. Bis dahin dürfte man auch genug geübt haben, um die gekaufte Ausrüstung auch verwenden zu können.

Outdoor/Paintball/Bushcraft

Ich möchte noch einmal auf die Firma Mil-Tec zurück kommen.

Sei es nun fürs Softair schießen, Paintball oder Bushcraft und Survival. Die Produkte von Mil-Tec sind, abgesehen von Montagskindern, die häufig sehr schnell ersetzt werden, sind ihr Geld durchaus wert und in meinen Augen kann und sollte man sich zunächst einmal mit Gegenständen dieser Ausrüstungspreisklasse eindecken. Mein erster Bug-Out-Bag (Fluchtrucksack) hatte ein Kostenlimit von 200€, welche ich nicht einmal erreichte und es war sehr viel kram drin, den ich nicht einmal brauchte. (Klappspaten, Helm, diverse Starkleuchtmittel) Einiges davon auch von Mil-Tec. Wie erwähnt, hat keiner dieser Gegenstände bis heute ihren Dienst versagt. Man muss nur wissen, was man da in der Hand hält.

 

Fotografie

Auch in der Fotografie ist es vernünftig sich erst einmal eine gebrauchte oder eine günstige Kamera für wenig Geld zu besorgen. Natürlich macht es mehr Spaß wenn die Bilder von vorne herein super auf dem Bildschirm erscheinen, allerdings gehört das Retuschieren von Fotos mit zur Fotografie. Das kann man da direkt lernen. Außerdem ist es günstig wenn man sich daran gewöhnt immer eine Kamera bei sich zu haben und sich an die Reaktionen der Passanten zu gewöhnen. So schön ist das nämlich manchmal nicht, wenn sie sich in ihren Bildrechten verletzt fühlen. Komisches Volk. Es ist ja nicht so, als würde man die Seele eines Menschen damit einfangen. Wo sind wir denn? In Japan?

 

Auch bei Internetbestellungen kann man sein Schnäppchen machen. Allerdings muss hier besondere Sorgfalt beim Erhalt der Ware auf die Prüfung der Qualität und des Funktionsumfanges gelegt werden. Ich selbst musste zwar noch nie etwas zurück schicken (Und wenn doch war der Artikel billiger als die Rücksendungskosten), aber wenn etwas nicht stimmt, sind die meisten Onlinehändler darauf bedacht dich in irgendeiner Form zufrieden zu stellen. Außer dem Allgott Doll’ar ist den Webunternehmen nämlich noch die Göttin „Bewer’tung“ sehr wichtig ;)

 

Natürlich gibt es genügend Menschen, die behaupten man müsse direkt mit dem guten Zeug anfangen, damit das Hobby Spaß macht und man sich nicht über Kleinigkeiten aufregt.Dem widerspreche ich nicht. Gerade wenn eure Sicherheit direkt davon abhängt welche Ausrüstung ihr habt (Fallschirmspringen, Bergsteigen) so leiht euch erst einmal die Ausrüstung und schaut ob es euch Spaß macht. Das kann bei einem Verleih durchaus auch teuer werden, aber ihr bezahlt nur einen Bruchteil dessen was die Ausrüstung neu kosten würde. Und wenn sie kaputt geht oder euch nicht gefällt könnt ihr sie einfach zurück geben.

So ein Angebot gibt es im Übrigen auch von Bogensportwelt.de. Diese Seite verleiht Bögen über Monate an Privatpersonen zum Testen. Nach einem Jahr Miete würde der Bogen dann in euer Eigentum übergehen, da ihr den Preis quasi auf Raten bezahlt habt. Ziemlich sauberes Angebot wie ich finde. (Einfach mal in den Mietvertrag schauen).

 

Fazit

Alles in allem kann man also sagen: Kauft nicht zu billig, aber versucht auch nicht direkt mit dem Markenkram los zu legen. Unter Umständen verpasst ihr dann eine Möglichkeit euer Hobby weiter voran zu bringen.

Meine Meinung

 

 

 


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