Notnahrung Krisenvorsorge Teil 3

Im zweiten Teil meiner Artikelreihe „Krisenvorsorge“ gehe ich auf das Thema Verpflegung ein. Die Notnahrung als solche ist jedoch ein so großer Themenkomplex, dass sich hier schon eine eigene Artikelserie anbieten würde. Daher werde ich in diesem Artikel erst einmal allgemein die empfehlenswerten Vorbereitungen für die Allgemeinheit vorstellen und später sicherlich einige ausführlichere Artikel zu den einzelnen Möglichkeiten schreiben.

Notnahrung als Vorbereitung auf eine Krisensituation

Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten sich auf Krisensituationen vorzubereiten. Die Notnahrung ist eine der wichtigsten. An dieser Stelle der Artikelserie müssen wir uns zum ersten mal entscheiden, welche Art der Krise wir hier vorzubeugen versuchen. Unglücklicherweise ist im Kapitalismus die absolute Sicherung ausschließlich dann möglich, wenn man recht wohlhabend ist. Der normale Bürger mit einem Nettoeinkommen von <2000€ Netto (single, Kinderlos) wird hier an dieser Stelle nicht alle Krisen abdecken können. Dabei sind es weniger die Vorräte selber die diese Unkosten verschlingen, sondern vielmehr die Vorsichtsmaßnahmen die dazu getroffen werden müssen. In den folgenden Abschnitten stelle ich einige Langzeitnahrungsmittel bzw. Notnahrung vor und gehe auf die Besonderheiten und meine Einsatzmöglichkeiten ein. Jeder von euch hat natürlich andere Voraussetzungen, auch was die Lagerung angeht, so versuche ich einen groben Überblick zu geben.

Anmerkung des Chronisten: Die Notnahrung sollte nach und nach mit eingekauft werden. Bei Notnahrung, die nicht zum Typ „Langzeitnahrung“ gilt, sollte auch darauf geachtet werden, dass im Laufe der Zeit alte Bestände verbraucht und durch neue ersetzt werden.

Notnahrung Typ 1: EPa

Das EPa wird jedem Soldaten und Grundwehrdienstleistenden ein Begriff sein. Das EPa – Eine Kurzform für „Einmannpackung“ – Gibt es in 19 verschiedenen Typen und enthält demnach 19 verschiedene Inhalte. Diese sind jedoch nur nach Geschmack verändert, denn jedes EPa enthält die Grundstoffe für den gesamten Tag. Darin enthalten sind:

  • Brot
  • Frühstückszutaten(Konfitüre, Schokolade etc.)
  • Süßspeisen (Kekse, Griesbrei etc)
  • Wurst
  • Kaugummi
  • Hauptmahlzeit
  • Gegebenenfalls Salat
  • Diverse Getränkepulver

Eine konkrete Übersicht der verschiedenen Typen findet ihr hier.

Das EPa hat mehrere vor und Nachteile. Der größte Vorteil ist, dass es transportabel ist. Man kann sich ein oder zwei Tagesrationen einpacken und kann jeglichen Inhalt zur Not auch kalt verzehren. Durch die separat verpackten Pakete ist es sehr einfach den Notnahrung EPaÜberblick über die verbliebenen Vorräte an Notnahrung zu machen. Unglücklicherweise liegt hier auch der enorme Nachteil der Epas. Die Dinger sind sperrig. – Und zwar richtig Sperrig. Sie sind nun einmal nur für den Soldaten ausgelegt, der mit maximal drei Paketen durch die Pampa stapft und immer wieder die Möglichkeit der Nachversorgung erhält. Diesen Luxus haben wir in einer Krisensituation nicht. Selbst wenn wir lokal Zuhause die EPas einlagern würden, hätten wir, von dem enormen Platzverlust einmal abgesehen, das Problem, dass unsere gesamten Vorräte an Notnahrung im Falle einer Flut, eines Feuers oder sonstigen Katastrophen, zum größten Teil vernichtet oder unbrauchbar gemacht werden. Da wir uns allerdings auf eine Katastrophe vorbereiten, wäre das eher suboptimal. Ein nicht zu leugnender Vorteil allerdings ist, dass jedes EPa eine Kalorienmenge von 3300 kcal besitzt. Das klingt viel, ist in Not und Krisensituationen aber unglaublich wichtig. Der Körper verbrennt unter Stress viel mehr Kalorien und es ist davon auszugehen, dass man nicht den ganzen Tag auf der Couch sitzen kann.

Meine Empfehlung: Durch die doch etwas unhandlichen Maße des EPas lohnt es sich höchstens ein paar einzulagern. Einen Vorrat von 14 Stück als Haupt – Notnahrung ist hier aufgrund des Packmaßes nicht zu empfehlen. Es eignet sich allerdings zur Nachbarschaftshilfe und für die Verpflegung für eine Tagestour. Allerdings nur, wenn man wieder zurück kommt. Die beste Anwendung wäre hier also höchstens im Backoutbag.

Anmerkung eines Lesers: Den Kaugummi sollte man immer mit nehmen, da man sonst nach wenigen tagen unerträgliche Verstopfung bekommt.

Notnahrung – Konserven

Wer kennt es nicht noch von seinen Eltern und Großeltern? Die Speisekammer oder der Keller ist vollgestopft mit Konservendosen, eingemachtem und Kartoffeln. Diese Nachkriegsmaßnahmen, die viele vor allem ältere Menschen in Deutschland, bis heute nicht abgelegt haben, ist die wohl kostengünstigste und praktikabelste Art der vorzeitigen Lagerung von Lebensmitteln. Konserven eignen sich aufgrund ihrer hohen Lagerfähigkeit hervorragend als Notnahrung. Da sie vergleichsweise Platzsparend eingelagert werden können, ist nicht ganz so viel Lagerfläche notwendig wie beim EPa. Die, meist runde, Form der Konserven ist jedoch der Grund dafür, dass viel Platz verschwendet wird. Wenn möglich sollte man hier auf quadratische und rechteckige Konserven zurückgreifen. Das EPa KonserveGewicht spielt auch eine gewisse Rolle. Im Notfallrucksack haben Konserven nichts zu suchen! Auch muss man hier Abstriche machen was den Nährgehalt angeht. Gerade bei Kindern und Kleinkindern müssen spezielle Konserven angeschafft werden. Der vergleichsweise günstige Preis und die große Geschmacksvielfalt sind der Grund dafür, dass ich für Privatpersonen ohne großes Einkommen oder Menschen, die weniger für die Krise bezahlen möchten, diese Notnahrung ans Herz legen will. Ich empfehle allerdings nicht bei der Notnahrung zu experimentieren. Experiment kommt von experience und in einer Krisensituation hat man genug neue Erfahrungen. Da möchte man diese nicht auch noch kulinarisch haben. Wenn ihr Konserven als Notnahrung einlagern möchtet, so bleibt bei dem das euch schmeckt. Bleibt auch Markentreu. Die Konserve von Firma A kann super schmecken, während das selbe Gericht der Firma B nicht schmeckt, weil meinetwegen Kümmel mit dran ist.

Ein weiterer Vorteil, den Konserven und EPa teilen, ist die Tatsache, dass man sie zur Not auch kalt verzehren kann. Vermeidet also bitte Konserven auf denen steht, dass sie noch eine Zubereitung benötigen. Manchmal muss es schnell gehen und wenn kein Strom und kein Feuer zur Verfügung stehen ist es schwierig etwas zu kochen. Ein Punkt der nicht zu vergessen wäre, ist der zusätzliche Anteil an Wasser! gerade Suppen enthalten enorme Wasservorräte, sodass die eigenen etwas geschont werden können. Ich empfehle dennoch etwas Maggi und ’ne Tüte Salz bzw. ein Glas Honig zu den Konserven zu stellen.

Notnahrung – Trockennahrung

In die Kategorie Trockennahrung fallen jene Nahrungsmitteltypen, die mit Wasser vermengt werden müssen. Hier wäre als wichtigstes Beispiel NRG-5 und und bp-5. An dieser Stelle möchte ich euch dieses Videos von Kai Sackmann zu diesem Thema empfehlen:

 

Da Sacki mir erlaubt seine Videos hier zu verlinken, habe ich dies natürlich gerne in Anspruch genommen. An dieser Stelle vielen Dank dafür.

Nun ist es so, dass diese Art der Notnahrung für den kleinen Arbeitnehmer doch recht teuer ist. Auf die Jahre gedacht jedoch, ist es allerdings doch eher eine kleine Ausgabe. Ich habe eine kurze Recherche gemacht und NRG-5 im Vorteilspack (24×500 g) für 129€ gefunden.

Einkauf 129€
Pro Jahr Haltbarkeit: max. 12.90€
Pro Monat: 1,08€

Am Tag wären das ca. 3 Cent. Die findet man auch, wenn man mit offenen Augen durch die Stadt geht. Natürlich könnte man eine solche Rechnung auch mit den Konserven machen und würde wohl schon bei den Monaten in den dritten Nach-Cent-Wert kommen, allerdings ist es so, dass diese Nahrungsform auf den Einsatz als Notnahrung ausgelegt ist. Qualität hat seinen Preis und diesen bezahlt man nur einmal (alle 10-20 Jahre). In meinen Augen ist es besser JETZT etwas Geld auszugeben um später nicht zu denken: „Wäre ich mal nicht so knickrig gewesen.“ während man sich eine Maus über einer Mülltonne brät…

Das enorm geringe Packmaß sorgt dafür, dass es auch in kleinen Wohnungen immer einen Platz findet. Unter dem Bett, im Schrank, unter dem PC. Der größte Nachteil ist jedoch hier die Zubereitung mit Wasser. Zwar ist solche Notfallnahrung auch pur essbar, aber nicht unbedingt genießbar. Zumindest auf Dauer nicht. Frisches Wasser ist auch keine Garantie in einer Krise, so kann es passieren, dass man die Wasserreserven deutlich schneller verbraucht, als man ursprünglich geplant hat. Auch der Mangel an Geschmacksvariationen dürfte vielen Menschen sauer aufstoßen.

Meine Empfehlung: Wenn ihr die Trockennahrung in Betracht zieht, dann besorgt euch ein oder zwei Packungen. Die Testversionen kosten um die 5 € und enthalten einige dieser „Kekse“. Wenn ihr es schafft eine Zeit lang nur davon zu leben ist das gut so. Allen anderen empfehle ich ganz klar: Nehmt ein paar Packungen und verwendet sie in der Krisenzeit als Nahrungsergänzungsmittel zu eurer Notnahrung. So könnt ihr euch sicher sein, dass keine Mangelerscheinungen auftreten und ihr habt dennoch etwas Geschmack dabei. Tip: Vor allem sehr alte und sehr junge Menschen könnten hier Probleme mit dem Geschmack bekommen. Kaffeeweisser kann, in Kombination mit Wasser, einen guten Milchersatz bieten, der etwas günstiger ist als Milchpulver. So hat man bei den meisten Riegeln eine Art Griesbrei den viele anstandslos essen. Allergiker Vorsicht! Viele Produkte enthalten Laktose und Gluten. WAHRE Allergiker sollten hier aufpassen. Menschen die angeblich nur auf die Gesundheit achten, sollten an dieser Stelle ihren „hippen hipster Swag“ – Scheiß hinten anstellen und sich wirklich Gedanken machen.

Notnahrung – Gefrierkost

Ohne Strom keine Tiefkühltruhe. Ungeeignet, da alles verdirbt. Die einzige Möglichkeit auf diese Weise einen Notvorrat aufzubauen, wäre in Regionen dieser Welt in denen dauerhaft Schnee liegt. Da sich diese Serie eher auf den Bereich Deutschland bezieht, müssen wir gegebenenfalls noch ein paar Jahrzehnte warten, bis ich, dank des Klimawandels, diesen Punkt mit aufnehmen kann.

Notnahrung – Gefriergetrocknete Nahrung

An dieser Stelle scheiden sich die Geister. Gefriergetrocknete verbindet die lange Haltbarkeit der Trockenlebensmittel mit den Geschmacksvariationen der Konserven. An dieser Stelle sei vor solchen Gerichten von Knorr, Maggi etc. gewarnt, denen man nur Wasser hinzufügen muss und man hat nach dem Kochen/Braten eine Mahlzeit. Diese arbeiten hauptsächlich mit Geschmacksverstärkern und Alternativprodukten (Sägemehl und so). Der Vorteil bei Gefriergetrockneter Nahrung als Notnahrung besteht darin, dass sie alle Vorzüge der bis hierher genannten Notnahrung – Typen in sich vereint. Es gibt eine unglaubliche Palette an Variationsmöglichkeiten, es ist Platzsparend und es hält sich unglaublich lange. Das spiegelt sich natürlich auch im Preis wieder. Ein Gericht kann da gut und gerne mal 6€ kosten.

Meine Empfehlung: Wenn das Geld da ist, habt ihr hier die optimale Notnahrung. Wenn allerdings nicht, würde ich eine ausgewogene Diät aus Konserven, Trockennahrung und gefriergetrockneter Notnahrung vorziehen. Natürlich kann man sich vollständig auf die Konserven verlassen. Diese muss halt nur immer mal wieder verbraucht werden.

Notnahrung – aus der Natur

Wilde Beeren, frische Kräuter, vielleicht einen Lachs zum Abendbrot. Wäre das nicht die angenehmste Art und Weise eine Krise zu überstehen? Wer tatsächlich in der Nähe eines Teiches oder eines Waldes ist, wird hier nur mit dem Kopf schütteln. Wir besitzen in unseren Breiten nur noch Kultur-Wildnis. Die schmächtigen Wälder die wir hier noch unser eigen Nennen, würde es nicht schaffen Horden von Flüchtlingen und Nahrungssuchenden zu bewirten. Die größte Chance dürften Menschen an der Küste haben, wenn es sich nicht gerade um eine Flut-Sturm oder andere Katastrophen handelt, die die Fischerei zum Erliegen bringen würden. Allerdings muss entweder Benzin in rauen Mengen gelagert werden um die Boote Startklar zu halten, oder aber mit Ruderboten gearbeitet werden. man darf nicht vergessen, dass Eigentum immer eine sehr schwierige Sache ist, wenn Recht und Gesetz im Fall einer Krise oder Notsituation nicht durchgesetzt werden können. DU bist Recht und Gesetz und musst dein Hab und Gut schützen. Das gilt für den Fischer genauso wie für den Schrebergärtner und für die Notnahrung in den eigenen vier Wänden. Nur Menschen die es schaffen ohne zu überlegen Insekten als Nahrungsquelle in Betracht zu ziehen, haben wirklich eine Chance auf dieser Ebene. Notnahrung HeuschreckeAllerdings auch nicht unbedingt lange.

Meine Empfehlung: Verlasst euch nicht auf Agrar. In den meisten Fällen wird eure Ernte durch die Katastrophe zerstört und der Rest von Plünderern gestohlen. Lagert ein was nötig ist und schützt es. Aber bleibt dabei auf einer legalen Ebene. Dazu mehr in einem späteren Artikel.

Notnahrung – Fazit

Die gefriergetrocknete Nahrung ist hier ganz klar der Gewinner in allen Aspekten. Außer dem Preis. Kleinberufler sollten sich mit Konserven eindecken und gegebenenfalls ein paar Packungen Trockennahrung mit ins Bot nehmen, jedoch dabei nicht die Platzprobleme außer Acht lassen. Wer möchte schon umgeben von EPas im Wohnzimmer sitzen?

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