Raubkopie – Kurze Gedanken zu diesem Wort

Ich sitze gerade in einer Werkstatt und mache mir während der Wartezeit ein paar Gedanken über Gott und die Welt.
Das Thema Raubkopie kommt in den Medien heutzutage häufig ins Gespräch. Ich möchte hier nicht auf das Für und Wider eingehen sondern nur kurz auf die Unsinnigkeit des Ausdrucks selber.

Raubkopie – Ein Paradoxum

Das Wort Raubkopie setzt sich aus den beiden Worten „Raub“ und „Kopie“ zusammen (Thank you cpt. Obvious).

Nun ist es so, dass rechtlich jeder Tatbestand eine genaue Definition haben muss.  Sehen wir uns dazu doch einmal die Definition für den Tatbestand des Raubes an:

(1) Wer mit Gewalt gegen eine Person oder unter Anwendung von Drohungen mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben eine fremde bewegliche Sache einem anderen in der Absicht wegnimmt, die Sache sich oder einem Dritten rechtswidrig zuzueignen, wird mit Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr bestraft.

(2) In minder schweren Fällen ist die Strafe Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren.

Beginnen wir mit den ersten markierten Stellen: „Gewalt“ und „Drohung gegenwärtiger Gefahr für Leib und Leben“.

Da im Falle einer „Raubkopie“ üblicherweise kein direkter Kontakt zum Urheber bzw. Besitzer des zu kopierenden Gegenstandes gegeben ist, kann man hier auch nicht von Androhung von Gewalt sprechen.

Der nächste Punkt ist die „bewegliche Sache“. Daten sind keine Bewegliche Sache. Ja man könnte einen Ordner in einen anderen „bewegen“, jedoch muss man sich dazu im klaren sein, was genau da wirklich passiert. Je nach Speicherform werden Daten entweder mit Hilfe von magnetischen Ladungen oder mechanisch gespeichert (Magnetplatte oder SSD). Der Zustand der Elektronen bzw. der entsprechenden Matrix in einer SSD ist somit als für diesen Teil der Daten entsprechend vermerkt. Verschiebt man nun Daten, werden die Zustände an der Stelle des Datenträgers aufgelöst und an einer anderen Stelle nachgestellt. Dies ist kein wirkliches bewegen sondern nur eine Umspannung der Zustände der Elektronen auf einem Datenträger. Daraus folgt: Daten sind nicht beweglich! Man könnte nun argumentieren, dass der Datenträger entfernt wird, aber in diesem Fall bezieht sich der Tatbestand nicht auf die Daten, sondern eben auf den Datenträger.

Der letzte Punkt, der diesen Ausdruck vollkommen irrsinnig macht, bezieht sich http://fotos.piqs.de/8/1/1/d/b/8793edf66007ce6691c6eb41f98c116d.jpg Raubkopieauf das „wegnehmen“ der Sache. Wie wir bereits festgestellt haben, sind Daten nicht beweglich und können demnach auch nicht auf normalem Wege verschoben bzw. entfernt werden. es werden Daten kopiert. Dies bedeutet, dass die „Sache“ noch beim vorhergehenden Besitzer ist, man selbst jedoch auch die entsprechende „Sache“ besitzt. Innerhalb einer entkriminalisierten Welt wäre dies der Ursprung eines Utopia. Dies wird jedoch durch Gewinnsucht und Gier zunichte gemacht. Das soll jetzt aber nicht Thema sein. Asp fasste es einmal sehr schön zusammen: „Dieses teilen ohne etwas geben zu müssen[…]“.

Da wir nun also wissen, dass der Raub und die Kopie in krassem Gegensatz stehen und nicht miteinander verbunden werden können, sollte man sich bei Autoren und Journalisten zweimal überlegen, ob man ihnen glaubt, wenn sie schon so simple zusammenhänge nicht klassifizieren und vor allem vermeiden können.


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