Schusswaffen im Allgemeinen

In einer Facebook-Gruppe der ich mit meinem persönlichem Account angehöre (Bushcraft) wurde am gestrigen Tag eine Bitte zum unterschreiben einer Petition zum Thema Schusswaffen gepostet. Bei dieser handelt es sich um eine Petition gegen den Entwurf der Gesetzesänderung in der EU. Der Gesetzentwurf soll die Terrorismusgefahr innerhalb der EU Grenzen eindämmen.

Grob gesagt soll das Gesetz den Erwerb von (Halbautomatischen) Schusswaffen erschweren und den Besitz jener, welche zu Schusswaffen der Kategorie A modifiziert werden können, verbieten. Dies veranlasste mich dazu meine anderen Artikelentwürfe einmal zur Seite zu schieben und meine ganz persönliche Meinung zum Thema Schusswaffen* klar zu stellen.

*Als Schusswaffe definiere ich in diesem Artikel alle ballistische Waffen, welche Patronen diversen Kalibers auf Basis einer Sprengstoffzündig verschießen.

Schusswaffen – Bezug zum Gesetzentwurf und der Petition

Nun, die Seite, welche mir verlinkt wurde, enthielt zwar selbst viele Links, allerdings wenig Informationen. Da frage ich mich doch, wieso ich eine Petition unterschreiben soll, die mich nicht betrifft und für die ich keine Pro und Kontraargumente finde? Ich selbst besitze keinen Waffenschein und habe demnach auch weder Kenntnis über- noch Interesse an dem Entwurf. Nach einigen Recherchen bin ich nun aber über die wichtigsten Punkte gestolpert und finde sie… nun, nachvollziehbar.

Ganz Allgemein soll alles was sich zu einer Vollautomatik umbauen lässt, zu Schusswaffen der Kategorie A werden. Was ist denn nun eine Waffe der Kategorie A? Das kann die Kreisstadt Mosbach ganz gut erklären:

 

Aha! Das gibt uns doch Spekulationsgrundlagen. Auf Basis dieses Textes darf man davon ausgehen, dass halbautomatische Schusswaffen “bei denen nicht sichergestellt ist, dass sie mit allgemein gebräuchlichen Werkzeugen nicht zu Waffen, deren Magazin und Patronenlager mehr als drei Patronen aufnehmen kann, umgebaut werden können.” verboten werden. Ich gehe sehr stark davon aus, dass Jagdgewehre mit langem Lauf an dieser Stelle nicht betroffen sind, da deren Lauf das Dauerfeuer einfach nicht aushalten würde. Was noch? Ich bin mir nicht schlüssig, ob normale Handfeuerwaffen, wie die P8, hier mit rein zählen, jedoch wird in den meisten Artikeln nur von sturmgewehrähnlichen Gewehren gesprochen.

Des weiteren sollen Schusswaffen, welche ähnlich aussehen wie jene aus Kategorie A, ebenfalls “verboten” werden.

Was ist denn nun eine Halbautomatik?

Schusswaffen Halbautomatik

Klick mich, ich bin eine Animation

Halbautomatik? Vollautomatik? Wer bei diesen Ausdrücken an seinen Mercedes denkt, liegt mit dem Kontext leider ein wenig daneben. Die Halbautomatik beschreibt die Nachladefunktion der Schusswaffe. Anders als bei einer typischen “Rifle”, dem Luftgewehr, Bogen, Armbrust Etc. muss eine Halbautomatik nicht von Hand neu gespannt oder Nachgeladen werden (Solange das Magazin noch vorhanden und befüllt ist). Durch den Druck im Inneren der Waffe beim abfeuern, wird der Verschluss der Waffe zurück geschoben. Dieser gibt den Lauf frei für die nächste Patrone, welche durch das Magazin nach oben geschoben wird. Der Verschluss schnappt wieder nach vorne und legt damit die neue Patrone vor den Bolzen, die durch Betätigen des Abzugs abgefeuert werden kann. Vollautomatische Waffen haben ein ähnliches “Nachlade”-Prinzip.
Der Verschluss zündet sofort die Patrone, sobald er diese ins Patronenlager geschoben hat. Dies lässt den Verschluss erneut nach hinten schnellen und erneut eine neue Patrone in den Lauf drücken. Hier gibt es noch kleinere Unterschiede bei der Stellung des Verschlusses, aber diese sind an dieser Stelle zu vernachlässigen.

Meine persönliche Meinung zu dieser Gesetzesänderung

Ich selbst besitze keinen Jagdschein und ansonsten nur rudimentäre Erfahrung im Umgang mit diversen Feuerwaffen. Halt so das was man vom Bund und aus den Spielen so mit nimmt. Natürlich habe ich mich bereits im Rahmen der Krisenvorsorge mit Voll- sowie Halbautomatischen Schusswaffen auseinander gesetzt. Das Ergebnis könnt ihr hier lesen. Was soll ich nun dazu sagen… Es tangiert mich nicht wirklich. Klar ist es immer schwierig wenn erlaubtes “grundlos” plötzlich verboten wird und ich kann mir durchaus das eine oder andere Extremszenario vorstellen in der es tatsächlich notwendig sein kann eine Halbautomatik im Haus zu haben. Am bedenklichsten finde ich die Definitionssache. Diese ist noch nicht vollständig durch (Ist ja nur ein Entwurf, Einzelheiten werden da sicher noch folgen) und kann dazu führen, dass “ungefährliche” Schusswaffen mit in die Kategorie A Fallen. Man muss hier allerdings an die Spezifikationen und den Sinn denken. Was hält der Lauf aus? Kann der Verschluss mit “normalem Werkzeug” entsprechend zu einem Automatikverschluss gemacht werden? (Heckler und Koch haben meist den gleichen Verschluss in Automatik als auch in Halbautomatischen Schusswaffen.) Wie viel Munition fasst das Standard-Magazin?

Wenn ich nun eine Forester hätte, diese an der Seite aufsägen würde, eine MG3 Patronenkette daneben stellen würde, den Lauf modifizieren und den Verschluss manipulieren würde, hätte ich ein Vollautomatisches Jagdgewehr. Das gleiche gilt für alle Waffen. Magazine können ersetzt werden und Läufe manipuliert. Das ist nichts Neues. In der Theorie müssten somit alle Schusswaffen, die nicht von Hand gespannt werden müssen, verboten werden. Dazu wird es aber nicht kommen (Hoffe ich). 3880647910_e2b6f0a178_b[1]Fakt ist allerdings, dass diese Änderung keinen wirklichen Effekt auf die Terrorgefahr haben wird. Die Terroristen besorgen sich ihre Waffen auf dem Schwarzmarkt und nicht unbedingt auf legalen Wegen. Manch einer mag behaupten sie erhalten ihre Schusswaffen aus den USA, allerdings ist das eher eine Verschwörungstheorie bzw. basiert auf nicht bewiesenen Aussagen. Da möchte ich hier und heute keine Stellung zu nehmen müssen.

 

Erfahrungen

Wie bereits erwähnt, habe ich nur rudimentäre Erfahrungen mit Schusswaffen. Bevor ich zum Bund ging, war eine Schusswaffe in meinen Händen deutlich gefährlicher, wenn sie nicht geladen war. Während meiner Bundeswehrzeit kam es dann dazu, dass ich meine Einstellung zum Thema Schusswaffen zwangsläufig ändern musste. Ich nutzte die Zeit also mich mit dem Thema auseinander zu setzen und kam in den zweifelhaften Genuss diverse Schusswaffen der NATO ausführlich testen zu können. Darunter auch die MP5 (unglaublich unpräzise das Teil). Wir teilten uns den Schießplatz mit Truppen der Amerikaner und da sah man sehr schön den Unterschied zwischen den Nationen. Während wir Deutschen mit Einzelschuss (Selbst mit ‘nem MG3, wie bekloppt ist das denn?) gezielt Kopf, Herz und Warnschüsse verteilten, nur um anschließend die Patronenhülsen einzeln wieder aufzusammeln (Bronzehülse im Sand suchen. Geil!), kamen die Amis an, stellten ihr Mini Flak auf und bratzten damit einfach mal durch die Kannte. Zusammengepackt und weg gefahren. Was soll denn nun diese Anekdote? Nun, ich habe die goldene Schützenschnur und ein Einzelkämpfer-Training absolviert. Das bedeutet, dass ich, im Rahmen der Ausbildung, eben mit vielen Schusswaffen arbeiten konnte und muss sagen: Im Gefecht oder einer Simulation sind vollautomatische Waffen nur sehr begrenzt im “Dauerfeuer” zu verwenden. Im zivilen Leben haben die teile dementsprechend einfach nichts zu suchen und schon gar nicht in einem Haushalt.

 

Meine Bedenken

Die Geschichte mit der Schießbahn zeigt die Unterschiede der Denkweise der Nationen. Für den Amerikaner sind Schusswaffen ganz normal. Man kann sogar Pump-Guns im Wall-Mart kaufen. Das wäre in Deutschland undenkbar. Man stelle sich vor es gäbe im Kaufland eine Abteilung mit scharfen Schusswaffen, in denen Scharfschützengewehre, Schrotflinten und Uzis verkauft werden o_O. Gerade dieser selbstverständliche Umgang mit tödlichen Schusswaffen ist es meiner Meinung nach, was es den Amokläufern in den USA so unglaublich leicht macht so viele Opfer zu fordern. Nicht die Killerspiele.

Nun kann man zu Recht argumentieren, dass man eher versehentlich ein Familienmitglied mit einem Messer oder einer Schere ersticht, als mit einem eingesperrten Gewehr. Ja, das ist richtig. Aber Menschen sind von Natur aus Dumm. ein Jugendlicher bekommt recht fix mit wo der Schlüssel zum Waffenschrank ist und zeigt dann seinem Kumpel die “Krass geile Waffe” seines Papis. Opfer: 1. Der Nachbar, der den Kids die Waffe weg nehmen wollte, weil diese nicht in die Hände von Kindern gehört und der Knirps sich erschreckt hat. Bei einer Vollautomatik oder unter Umständen einer Halbautomatik, kann es passieren, dass auch Passanten, der Kumpel und wer sonst noch verletzt oder getötet werden, bis das Magazin leer ist. Theoretisch denkbar, jedoch unwahrscheinlich. Gerade hier in Deutschland mit unseren strengen Waffengesetzen.

17303938606_7b8e2e28ed_b[1]Nun stelle man sich einmal vor, diese Reglementierung gäbe es nicht und es läuft hier wie in den USA. Ich weiß nicht, ob ich mich auf die Straße trauen würde, wenn Pegida gerade eine Demo startet und die Gutmenschen unterwegs sind. Ich nehme an, dass die Hauptstädte dann aussehen würden wie im Bürgerkrieg.

Der entscheidende Punkt jedoch ist immer noch, dass mir schlicht der logische Nutzen dieser Waffentypen im privaten Bereich fehlt. Vollautomatik ist nur im Häuserkampf oder als Unterdrückungsfeuer sinnvoll und dort mit enormen Kollateralschaden. Halbautomatik dient der Abwehr oder dem Ausschalten mehrerer Feinde bzw. dem häufigerem Beschuss eines einzelnen Ziels (Wenn man schlecht zielen kann). Man stelle sich eine Krise oder gar eine Panik vor und jeder rennt mit seiner Vollautomatik durch die Gegend und vermutet hinter jedem Busch eine Gefahr. Krankheit, Krieg, Hungersnot… So etwas in der Art könnte dazu führen, dass die Menschen zu ihren Schusswaffen greifen. In vielen Prepper-Foren werden Schusswaffen sogar als überlebenswichtig eingestuft, was meiner Meinung nach vollkommener Blödsinn ist.

 

Gegendarstellung

Schusswaffen machen Spaß. Nachdem ich meine Scheu vor den Schusswaffen verloren hatte, machte es mir unglaublichen Spaß damit zu schießen. Alleine das Tragen einer Schusswaffe ist ein Gefühl der Macht, welches ich so nicht in anderer Form erlebt habe. Natürlich birgt dies auch eine potentielle Gefahr, jedoch ermutigt es auch enorm. Sich auf dem Schießstand mit den Kammeraden ein “Wettschießen” um die Trefferquote zu liefern oder mit Leuchtspurmunition ein MG abzufeuern macht ungeheuren Spaß.

Der Kampfpanzer Leopard 2 A6 beim Vorueben der Informationslehruebung Heer am Ausbildungszentrum Munster beim scharfen Schuss.

Ich war immer schon von Panzern begeistert. Gerade der Leopard 2 A6 mit seinen 3,5 Tonnen Kampfgewicht (Ohne Nebelwerfer und Brückenkopf), MG Stellung und einem Turm, der Kaliber 120mm Patronen verschießt hat es mir angetan. Ich habe einige dieser Monster starten, fahren und feuern hören und die totale Zerstörungskraft die von eine solchen Gefährt ausgeht ist einfach nur überwältigend. Das bedeutet aber nicht, dass ich so eine Kiste fahren möchte. Klar wäre es Stilvoll mit so einem Napalm Werfer durch die Stadt zu fahren, aber auf Basis der Vernunft würde ich niemals auf die Idee kommen mir einen Leopard in den Garten zu stellen. Da leihe ich mir lieber einen und düse damit durch abgesichertes Gelände. Ähnlich sehe ich das auch mit den Voll- und Halbautomatischen Schusswaffen. Innerhalb von Schützenvereinen bzw. Schießsportvereinen finde ich diese Schusswaffenmodelle durchaus OK. Solange ein Waffenschein existiert und die Überwachung eben dieser stimmt, sollte alles gut sein. An diesem Punkt gehe ich sogar soweit zu behaupten, dass man auf, speziell ausgerüsteten und geprüften Schießplätzen, auch mit großen Kalibern schießen dürfen sollte. Bis hin zum Panzerbrecher. Warum darf ein normaler Zivilist nicht das gleiche, wie ein 18 Jähriger der gerade beim Bund seinen Grundwehrdienst leistet?

Das ist eine Sache, die mich immer schon störte. Ich durfte / musste ein MG3 und einmal eine Panzerfaust durch diverse Dörfer und Landstraßen auf dem Weg zu unserem Biwak-Platz schleppen und diese abfeuern und heute darf ich nicht einmal mehr ein Messer führen, welches eine Klinge von mehr als 12 cm hat? Das ist doch paradox!

 

Fazit

Waffen als solche sollten, im privaten Rahmen, als Sportmittel angesehen werden. Meiner Meinung nach sollte ein Handfeuerwaffe, wenn überhaupt, vollkommen ausreichen. Vollautomatische Waffen in privaten haushalten? selbst wenn es Schreckschusswaffen sind, ist das in meinen Augen ein No-Go. Die Gefahr, dass sie mit einer echten Waffe verwechselt wird und man sich von besorgten Bürgern oder der Polizei selbst eine Kugel fängt ist einfach viel zu groß.

Auf Jäger und Sammler bin ich an dieser Stelle bewusst nicht eingegangen. Ich kenne die technische Entwicklung nicht, weiß aber, dass es sehr hohe Auflagen für einen Jagdschein gibt. Daher bin ich mir recht sicher, dass Menschen die einen solchen haben auch wissen ordentlich mit dieser Waffe umzugehen und zu verstauen. Sammler … schwierig. Die Waffen Gefechtsunfähig machen kann ihren Wert enorm senken… Da Sammler ihre Waffen eher als Kunstobjekte ansehen, sehe ich keine direkte Bedrohung, allerdings sind bruchsichere Vitrinen alles andere als günstig, was den einen oder anderen dazu verleiten könnte sie einfach in eine normale Vitrine zu stellen. Hier ist spätestens bei unbeobachtetem Besuch eine Gefahrenquelle vorhanden.

Im Großen und Ganzen kann man also zusammenfassen: Ich finde Waffen faszinierend. Sie sollten jedoch in einer kontrollierten Umgebung verwendet werden und nicht “frei” zugänglich in Privathäusern rumliegen. Eine direkte Bedrohung sehe ich akut nämlich nicht und selbst wenn eine eintreten sollte, so sind sie mehr Schaden als Nutzen. Kriminelle Elemente erhalten ihre Schusswaffen auch bei einem totalen Verbot von Waffen. Aber auch mit einer Waffe hat ein normaler Mensch wenig Chancen einen Aggressor abzuwehren. Glaubt’s mir. Es sei denn, es handelt sich um eine Zombieapokalypse. Dann her mit den Sturmgewehren!

 

Meine Meinung.


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