12 jaehrige vergewaltigt. Mitleid mit dem Taeter

Eine 12 Jährige wird vergewaltigt und die Eltern nehmen Rache. Warum ich das abstoßend finde. Opfer und Täter sind in diesem Artikel schwierig zu unterscheiden. Sollten Unklarheiten auftreten, dann schreibt es bitte kurz in die Kommentare.

Anmerkung des Chronisten: Kindesmissbrauch und Vergewaltigungen sind und bleiben in meinen Augen ein vollkommen inakzeptables und ächtenswertes Verbrechen. Eine Frau die vergewaltigt wurde hat Jahrelang damit zu kämpfen. Bei einem Kind kann das zu potenziert massiveren Problemen führen. Allerdings ist das Leben im Anschluss nicht vorbei. 

Eine 12 jährige wird Vergewaltigt und ich habe Mitleid mit dem Täter. WTF?

Über diesen Artikel bin ich Anfang der Woche gestolpert, als ich mal wieder meine Facebook-Chronik durchstöbert habe.

Auffälligkeiten am Artikel

Kurz umrissen geht es um folgenden Sachverhalt: Eine 12-Jährige wird vergewaltigt, der mutmaßliche Täter wird angezeigt. Den Eltern dauert dies alles zulange, was dazu führt, dass sich die Mutter unter falschem Namen in Facebook mit dem mutmaßlichem Täter verabredet. Die beiden Elternteile locken den “Täter” auf einen Hinterhof und prügeln mit einem Totschläger auf ihn ein. * Anschließend töteten sie ihn mit mehreren Messerstichen.

Zu diesen Aussagen gibt es nun ein paar Dinge, die mir persönlich etwas aufstoßen. Zum einen wäre da die Quelle. Bild.de. … Nunja. Bild halt. vergewaltigt - SchlagstockObwohl es bewiesen ist, dass diese… Zeitschrift immer wieder Falschmeldungen bringt, beziehen sich ständig Newsseiten und Sender darauf. Der nächste Punkt ist die Tatsache, dass sich die Staatsanwaltschaft nicht über die Schuld des
Opfers/Täters äußerte. Interessant ist auch, dass ich bei weiteren Recherchen am heutigen Tage ausschließlich die Verlinkung von News.de und Spiegel online finde, sowie einige Foren die dieses Thema behandeln. Eigentlich wollte ich nachsehen, ob das Gerücht der Unschuld des Mannes wahr ist. Dazu gibt es jedoch keine Informationen. Ich finde sie zumindest nicht. Spiegel Online und Focus schrieb im übrigen nicht explizit von einer Vergewaltigung, sondern formulierte es so, dass der Mann ihr wohl “etwas angetan” hätte. Das kann nun viel bedeuten,. Vielleicht ist da den Autoren der Bild die Fantasie ein wenig durch gegangen.

Zur Tat an sich

Nun… nehmen wir einmal an, dass der Mensch tatsächlich schuldig war und die kleine vergewaltigt hat.Die Eltern hatten entsprechende Beweise, bzw. eine klare und vertrauensvolle Aussage des Kindes (Kinder lügen gerne mal.).

Die Band Berserker (Nicht zu verwechseln mit der rechten Band “Berserkers”) hat es meiner Meinung nach einmal sehr treffend formuliert:

Kaum habt ihr ihn gefasst so sperrt ihr ihn gleich ein.
ich weiß was besseres lasst ihn mit den Eltern allein.
Denn ein Herz das Trauer trägt kann Gerechtigkeit versteh’n.
Und ich weiß was ihr alle wollt – ihr wollt das Schwein selbst leiden sehn.

Wäre es bei der Körperverletzung durch den Totschläger geblieben, so hätte ich es durchaus nachvollziehen und auf der menschlichen (subjektiven und ohne viel Vernunft handelnde) Ebene tatsächlich gutheißen können. Der beabsichtigte  Mord allerdings, kombiniert mit dem Vorsatz den “Täter” zu bestrafen (Mindestens vorsätzlicher Totschlag, eher aber geplanter Mord), ist in meinen Augen sowohl menschlich als auch auf Basis der Vernunft absolut inakzeptabel.

Die Elternteile haben bewusst zu einem Messer gegriffen um diesen Menschen zu töten. Das klingt nun etwas harsch, das gebe ich sehr gerne zu, aber solange man nicht in der Lage ist ein anderes Leben wieder zu geben, sollte man auch kein Leben nehmen! Punktum.

Wäre bestätigt gewesen, dass er die Jugendliche vergewaltigt hat und das Rechtssystem hätte versagt… Okay. Aber selbst dann wäre der Mord einfach zu viel gewesen. Versteht mich nicht falsch, ich kann durchaus nachvollziehen… nein kann ich nicht. Ich kann nicht nachvollziehen was in einem Elternteil vorgeht, wenn das eigene Kind “vergewaltigt wird”, aber mit einem Mord richtet man an dieser Stelle nicht einmal Gleiches mit Gleichem. Ich will den Täter nicht in Schutz nehmen und ich will auch die Eltern nicht verurteilen. Ich möchte nur klar stellen, dass wir es hier mit einem geplanten und für mich ungerechtfertigten Mord zu tun haben.

 

Das Problem an dieser Geschichte

Worum es mir hauptsächlich geht, sind allerdings die Reaktionen auf die Meldung. In Facebook gab es 5 Kommentare zu diesem Artikel und mehr als zwanzig “likes”. Anschließend wurde er gelöscht. Wieso? Hetze.vergewaltigt - Thema

Deutschland scheint aktuell ein unglaubliches Verlangen nach Blut zu haben und ich selber bekommen die Kindheitserinnerungen der Schwarz-Weiß Bilder aus dem Jahre 1933 nicht aus dem Kopf. Aber das ist ein anderes Thema.

Von diesen 5 Kommentaren besagten 4 im Kern, dass die Eltern absolut richtig gehandelt haben und dass man dem Kerl noch viel schlimmeres hätten antun sollen. Einer schränkte ein, dass der Mord zu viel war, er die Aktion ansonsten jedoch sehr gut fände. HALLO?! MORD?! GUT?! Klar, da wurde angeblich ein Kind vergewaltigt aber das steht definitiv in keinem Verhältnis.

Der letzte Kommentar sagte aus, dass die Vorredner abartige Schweine wären. Immerhin sei hier ein Menschenleben genommen worden und dieses wäre auch noch unschuldig gewesen. Eine Quelle konnte er für diese Information allerdings nicht nennen. Ich suchte selber und fand auch nur “Gerüchte”.  Unglücklicherweise hat sich dies bis heute nicht geändert. Angemerkt hatte er noch, dass das Kind, sollten die Behauptungen war sein, nicht nur psychische Probleme und eine Therapie zu erwarten hätte, sondern diese auch noch ohne die Hilfe ihrer Eltern durchhalten muss, da diese im Knast sitzen.

Das ist in etwa der Wortlaut des Kommentars. Unglücklicherweise konnte ich, vor der Löschung des Beitrags, keinen Screenshot mehr machen. Fakt ist, dass dieser letzte Kommentar tatsächlich einen Like von mir bekommen hat denn er gab ziemlich genau das wieder, was ich mir dachte.

Über die Tat an sich darf sich jeder ein eigenes Bild machen. Ich möchte nur anmerken, dass die meisten Opfer von Vergewaltigungen in diesem Alter nicht mehr zurück kommen um davon zu berichten (Mein Beileid an alle die einen solchen Verlust erlitten haben). Ich will nicht sagen: Die sollen froh sein, dass sie ihre Tochter noch haben, sondern ich möchte den Mord noch einmal in ein Verhältnis bringen.

Wie gesagt, die Tat selber wird bestraft. Zum Leidwesen des Kindes, dessen bin ich mir sehr sicher, aber mir geht es hier hauptsächlich um die Kommentare dazu.

Meine ganz subjektive Meinung zu den Kommentaren

Wie kann es bitte sein, dass wir in unserer westlichen Welt den brutalen Mord an einem möglicherweise Unschuldigen Menschen nicht nur dulden, sondern diesen auch noch gutheißen und selbst mit noch bestialischeren Vorschlägen kommen? Die Menschen, die diese Kommentare verfasst hatten, waren nicht in der Situation der Eltern, verzweifelt, allein gelassen, rasend vor Zorn und Verachtung, und finden dennoch deutlich brutalere Vorgehensweisen, als  jemanden mit einem Totschläger zu verletzen und anschließend zu erstechen, gerechtfertigt. Ich könnte jetzt von Natur und normalem Triebverhalten sowie der Geschlechtsreife anfangen, aber das ist im Rahmen dieses Themas nicht nur unangemessen, sondern auch schlichtweg falsch. Allerdings Gladiatorgibt es einen Trieb, der hier tatsächlich passt. Es ist nicht der Sexualtrieb, sondern der Gewalttrieb der die Menschen aktuell immer stärker heimzusuchen scheint. Ich wiederhole noch einmal: Wir sind in der modernen westlichen Welt und nicht im Rom des Jahres 264 vor Christus.

Gladiatorenkämpfe im römischen Stil erhielten nur deshalb eine so große Aufmerksamkeit, weil das Publikum darüber entscheiden konnte ob der Verlierer sterben musste oder leben durfte. Nicht ohne Grund wurde der Daumen sehr oft nach unten gezeigt. Das selbe Verhalten haben wir auch nun.

Mittlerweile ist es bekannt geworden, dass die Anzeige gegen den mutmaßlichen Vergewaltiger, von den Justizbehörden im Vorfeld abgelehnt wurde. Das macht die Reaktion des Elternpaars etwas verständlicher. Diese Information hatten die Hasskommentatoren allerdings ebenso wenig wie ich. Das macht das Ganze in meinen Augen noch etwas schwieriger. Bei uns in Deutschland ist es so, dass du schneller in U-Haft kommst wenn eine Frau “Vergewaltigung” schreit, als du “Doppelmoral” sagen kannst. Entweder sind hier enorme Bestechungsgelder, auch an die Medien, geflossen, damit diese die Backen dicht halten, oder der Kerl war schlicht und ergreifend unschuldig. Nun stellt euch das einmal vor. Ihr ahnt nichts böses, chattet nett mit jemandem auf Facebook und vereinbart ein Treffen. Als Mann habt ihr üblicherweise relativ wenig zu befürchten (Obwohl 38% der Vergewaltigungen von Frauen gegen Männern durchgeführt werden. Da macht keiner ‘n Fass auf. Scheiß Feminazipack!) und ihr trefft euch mit der hübschen unbekannten. Im nächsten Augenblick bekommt ihr einen Totschläger an den Kopf und werdet, wohlmöglich nach einer donnernden Ansprache der Mutter, übel zugerichtet. Das letzte was ihr spürt sind heiße Stiche. Dann nichts. Anstatt euren Tod zu betrauern wird in Facebook sogar noch ein Loblied über eure Mörder angestimmt und eure Familie wird mit dem Zweifel zurückgelassen, ob an den Vorwürfen nicht doch etwas gestimmt hat.

 

Wem meine Gedanken noch gelten

Ich möchte nicht wissen wie sich die Familie des mutmaßlichen Vergewaltigers fühlt. Wenn er unschuldig war, dann haben sie nicht nur mit den ungerechtfertigten Vorwürfen, sondern auch mit Verachtung, hass und dem Verlust eines geliebten Menschen auf eine grausame Art und Weise zu kämpfen. Wenn er schuldig war, dann ändert das nichts an der Situation. Was glaubt ihr denn, wie sich die Familie des “Opfers” fühlt, wenn sie solche Kommentare zu lesen bekommen?

Das war Opfer dieser ganzen Geschichte ist allerdings das Mädchen. 12 Jahre, wahrscheinlich gerade dabei gewesen “Taff” zu werden und das typisch arrogante Teenagerdasein zu entdecken, wird (unter Umständen) erst vergewaltigt und dann wird das ganze noch Publik gemacht,. Ihre Eltern wandern in den Knast und sie muss schauen wie sie zurecht kommt. Mit sehr viel Glück bekommt die Mutter eine Bewährungsstrafe, allerdings müsste dafür auf Vorsätzliche Körperverletzung mit Todesfolge plädiert werden. Dies wird bei dieser sehr geplanten Aktion wohl nicht der Fall sein. Die psychologische Belastung der Kleinen, sowie den Spott und den Hohn der Mitschüler möchte ich mir nicht ausmalen. Schlimmer wäre es, wenn sie sich die Geschichte mit dem “etwas antun” ausgedacht hätte um Aufmerksamkeit zu erregen (Ja auch das machen Kids manchmal). Dann hat sie selbst nämlich den Stein ins Rollen gebracht, der einen Menschen ermordet und ihre Eltern ins Gefängnis gebracht hat.

Fazit

Solange die Doppelmoral bei Geschlechterfragen in Deutschland vorherrscht, kann man davon ausgehen, dass die Beweislage unzureichend ist wenn ein mutmaßlicher Vergewaltiger nicht festgenommen wird. Daraus resultiert unweigerlich der Schluss, dass hier wohlmöglich ein unschuldiger sinnlos ermordet wurde. Und die Masse findet es gut. Ich muss jedes mal, wenn ich über diese Geschichte nachdenke denken: “Tickt ihr eigentlich noch ganz sauber?” Ja natürlich ich habe auch meine Rachefantasien und auch ich träume manchmal von rostigen Nägeln, Kettensägen und Lexmark Entwicklern, aber das bedeutet noch lange nicht, dass ich diese ganz offen poste und andere dazu anstifte, eben diese Menschen auf möglichst bestialische Weise umzubringen.

Millionen hatten die französische Flagge im Profilbild. Millionen fragten sich: Wie kann ein Mensch nur so etwas grausames tun?World Trade Center 9/11

Millionen hatten verheulte Augen als am 11.09.2001 die Twin Tower einstürzten und fragten sich: Wie kann ein Mensch nur so etwas grausames tun?

Millionen Menschen beteten für die Opfer der Amokläufe in den Schulen in Erfurt, Winnenden und co. und fragten sich: Wie kann ein Mensch nur so etwas grausames tun?

Nun, lest die Kommentare unter solchen Nachrichten und ihr werdet es sehen, WARUM Menschen so etwas grausames tun.

Bei den genannten Vorfällen sind sehr viele Menschen ums Leben gekommen, aber macht es einen Unterschied? Ein einzelnes Leben ausgelöscht aus Hass ist schlimm genug. Aus Rache allerdings den Tod weiterer zu fordern ist einfach nur Dumm. Nach den Anschlägen in Paris habe ich oft genug gelesen, dass wir doch einfach eine Atomrakete in Syrien fallen lassen sollten. Nun, mal abgesehen davon dass wir keine haben und wir mehrere 10.000 Raketen benötigten um die Tötungszone über Syrien zu verteilen, wäre das mehr als selbstzerstörerisch. Aber so ist der Mensch nu einmal. Wenn er betroffen ist, dann ist ein Schrei nach Rache nicht weit. Problematisch wird es nur dann, wenn dieser Schrei dann auch erhört wird.

Der Aufruf zum Mord und die Hetze gegen Menschen ist immer grausam und ich frage mich: Wie kann ein Mensch nur so etwas grausames tun?


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