Schulsystem Geschichte und Religion

Dass in unserem heutigen Schulsystem in Deutschland so einiges nicht so läuft wie es laufen sollte können sicherlich Schüler und Eltern der Schüler bestätigen. Hohe Ausfallquoten der Lehrer, wenig Pädagogik, viel zu viele Schüler in einen Klassenraum gesperrt und keine Chance auf individuelle Förderung der Schüler machen die “Vorbereitung auf das Leben” nicht gerade einfacher. Dieser Artikel soll nicht wach rütteln, denn er zeigt wenig neues auf. Er gibt aber eine neue Sichtweise der Dinge und vor Allem soll er meine persönliche Meinung dazu Preis geben.

Anmerkung des Chronisten: Ich war ein Durchschnittsschüler. Weder besonders schlecht noch besonders gut. Physik, Deutsch und Englisch waren meine Stärken. Mathe und Chemie meine Schwächen. Ansonsten pendelte ich in den Fächern immer zwischen den Noten 1 und 3.

 

Das Schulsystem

Es ist ja nun bereits einige Jahre her, dass ich meine schulische “Ausbildung” abgeschlossen habe. 2005 habe ich meinen Realschulabschluss auf der “Anne-Frank-Gesamtschule” gemacht. Ich weiß nicht, ob es am Namen liegt oder an der Tatsache, dass dieser Kram generell in allen Schulen so exzessiv durchgekaut wird, aber ich habe nur zwischen der siebten und zehnten Klasse in diversen Unterrichtsfächern nur noch den zweiten Weltkrieg, die Judenverfolgung und allen möglichen anderen Schwachsinn gelernt.

 

Geschichte

Versteht mich nicht falsch. Es ist wichtig aus der Vergangenheit zu lernen und es ist auch wichtig zu verstehen, was genau passiert ist. Das Problem ist nur: Es interessiert einen 13-16 jährigen einen Scheiß. Gerade wenn es in verschiedenen Fächern über mehrere Jahre (!) unterrichtet wird, artet ein bestimmtes Thema konsequent in Lern-Bulimie. Das Wissen wird “aufgesogen” kurz zwischengespeichert und beim nächsten Test wieder ausgekotzt. Anschließend wird der Speicher wieder frei gemacht um den nächsten Abschnitt zu lernen. So funktioniert übrigens auch ein Ram-Speicher im Computer.

Fakt ist, dass ich heute zwar noch weiß, wer Anne-Frank war, ich aber keinen Plan mehr von dem habe was da passiert ist. Die Daten und Fakten die ich noch über den zweiten Weltkrieg im Kopf habe beziehe ich ausschließlich aus Wikipediaeinträgen, die ich aus Interesse einmal las, und Songtexten von Sabaton.

Six of June 1944

Allies are turning the war
Normandy state of anarchy
Overlord

Landung in der Normandie. Traurigerweise dachte ich bis zu meinem 22 Lebensjahr, dass die Normandie irgendwo bei Britanien liegt. Daran ist allerdings eine Szene aus Asterix bei den Briten schuld. Dort wurde eine Szene mit einer Küste und starken Hängen gezeigt. Das ist zwar typisch für Frankreich, aber nicht ungewöhnlich. Sowas haben wir auch in Deutschland. Ich möchte allerdings darauf hinaus, dass wir in den drei Jahren  andere Themengebiete viel besser hätten abdecken können als mit der Wiederholung der immer selben Geschichte.

Anmerkung des Chronisten: Wie bereits erwähnt war der Holocaust, sowie die Regentschaft Hitlers eine wichtige Sache die nicht vergessen werden sollte. Aber drei Jahre sind vor allem für einen Jugendlichen eine verdammt lange Zeit.

 

IT

Diese Zeit hätte man ohne weiteres in sinnvollere Dinge stecken können. Beispielsweise hatte ich erst ab der Fünften Klasse Englischunterricht. Einen Computer (EINEN) hatten wir in der neunten Klasse stehen. Einen, der selbst mit Windows 95 noch Schwierigkeiten und Ruckler hatte. Dabei besaß unsere Schule eine gut ausgestatteten IT Raum. Wieso wurde dann nicht in Word, Excel unterrichtet? Das braucht heutzutage fast jeder Beruf. Wieso haben wir nicht gelernt wie man mit Batch den ein oder anderen Arbeitsauftrag automatisieren kann? Lehrermangel. Aber ich schweife ab. Heutzutage gibt es ja Glücklicherweise “IT” Kurse. Auch wenn das meiner Meinung nach ganz schwache Versionen eines ECDL Kurses sind. Nach 5 Jahren PC Arbeit sollte man ohne weiteres Programmieren können und nicht behaupten können: “Joah, ich kann in Word einen Text fett machen.”

 

Geschichte 2 / Gesellschaftskunde

Wir hatten auf unserer Ganztagsschule ein Fach das nannte sich “Gesellschaftskunde”. Klingt imposanter als es ist. Im Endeffekt wurde hier einfach Geschichte und Politik mit Gesellschafts-”Wissenschaften” gemixt und mit einer Prise Geologie gewürzt. Ich muss sagen, dass ich am Anfang sehr genossen habe etwas über alte Kulturen zu lernen. Wie sich später heraus stellte habe ich einen gewissen Faible für diesen Bereich. Unglücklicherweise wurde hier hauptsächlich mit dem zweiten Weltkrieg gearbeitet. Aber ich greife erneut vor.

Am Anfang war die Bronzezeit. Wir hatten im Rahmen des Unterrichts ein Keltendorf besucht. Damals für mich langweilig (Bäh, Blockhütten… Laaangweilig) aber heute für mich sehr interessant. Darüber wusste ich auch noch einiges. Dann haben wir Mandalas gemalt…

Ja Mandalas.

Ich fragte mich auch schon, wann wir anfangen unsere Namen zu tanzen…

Später musste ich allerdings feststellen, dass dies der Einstieg in ein Thema war. Ich habe nur keine Ahnung mehr welches oO Hinduismus war es nicht. Auch Maya oder Azteken haben wir nie durchgenommen. Wir sprangen von der Bronzezeit VOR den römischen Kreuzzügen ins römische Reich. Allerdings haben wir die SELBE Zeitspanne nun von der römischen Seite betrachtet. Erneut bis kurz vor den römischen Feldzügen. Wie haben die Menschen gelebt, was hatten sie für Sitten etc. Natürlich ohne entsprechende Quellen oder Beweise. Dass das meiste der Geschichte aus verzierten Tonkrügen kam, wurde mir erst durch Disney und später durch einen Besuch im römisch-germanischem Museum in Köln bewusst. Es lohnt sich übrigens dort einen Ausflug hin zu machen, da das Schokoladenmuseum quasi um die Ecke ist. Wenn man dann die angefutterten Kilos wieder los werden möchte, oder keine Lust auf Süßkram hat, kann 320px-Köln,_Roncalliplatz._Römisch-Germanisches_Museum[1]Gegenüber des Schokoladenmuseums noch das Sportmuseum besuchen. *Touri-Guide-Modus aus* Fakt ist, ich habe nie gelernt WARUM das römische Imperium unterging. Ich hatte keinen plan wer Brutus war. (Danke erneut an Asterix erobert Rom für die Aufklärung bzw. das Wecken des Interesses. Brutus! Hör auf mit dem Messer zu spielen! Du verletzt noch jemanden xD).

Natürlich hatte ich auch keine Ahnung warum die Römer bei Köln mit ihrem Feldzug stecken blieben. Wo ist die Christianisierung Germaniens? Wo ist die Niederlassung der nomadischen Völker? Wo ist der Handel mit den Skandinaviern? Wo sind die Kompromisse des Brauchtums? Welche Feiertage haben die Kelten gehabt? Wer waren die überhaupt? Wie war ihr Lebensstil? Keine Ahnung. Uninteressant. Hauptsache ich weiß, dass die Omas damals Mehl gerieben haben. Wo zum Fick hatten die das her?! Ohne Landwirtschaft kein Getreide und vom Handel wussten wir ja nix.  Germanische Brauchtümer, Mythologie etc. Alles einfach unter den Tisch fallen lassen.

Das nächste Thema war Amerika. Mal abgesehen davon, dass zwischen der Eroberung Germaniens und der Entdeckung Amerikas mehr als 1,5 Jahrtausende liegen, wurde auch nicht groß auf Christoph Kolumbus eingegangen. Irgendein Typ eimselt also mit einer unbekannten Anzahl an Schiffen durch die Gegend und stößt versehentlich auf Land. Nett. Gut, dass er einen neuen Seeweg nach Indien finden wollte, wurde uns noch mitgeteilt. Das war’s dann aber. Sezessionskriege? Gibt es so etwas? Ja. Tatsächlich. Wir haben diese auch zu einem kleinen Teil durchgenommen, jedoch wurde nicht wirklich klar, dass dieses kleine angerissene Thema die verdammten Sezessionskriege waren!  Bei der Boston Tea Party dachte ich, bis zur Entdeckung des Internets, an eine verdammt langweilige Veranstaltung in einem englischen Milliardärs Club.

Wir springen zum nächsten Thema. Erster Weltkrieg. Die Funktionsweise und Entdeckung der Dampfmaschine, sowie die Verlegung der Eisenbahnschienen in Amerika ist vollkommen unwichtig. Ebenso die Indianerkriege und die Eliminierung der amerikanischen Ureinwohner. Sind ja nur ein paar Millionen gestorben. Was soll’s. An dieser stelle wurde es politisch. Wir nahmen, wie schon erwähnt, den ersten Weltkrieg durch. Kaiser Karl hatte wohl was mit Wilhelm den Großen. Oder so. Keine Ahnung. Da blieb nicht viel hängen (Dramatisierung gewollt). Von dort aus kommen wir zum zweiten Weltkrieg und ab da an… war’s das. Halt stopp. Irgendwo war noch was von der französischen Revolution. Aber die Adelsverfolgung blieb ziemlich unbekannt.

Wir sehen, in meiner Schule hatten wir geschichtlich ein Loch von… öh.. 2.500 JAHREN?!  Zumindest was Europa angeht.

Wo ist Richard von England? Wo sind die Kreuzzüge? Wo sind die Templer? Wie entstanden die Malteser? Was hat das mit Malta auf sich? Wie wurde die Insel eingenommen und von wem? Wer sind die Johanniter? Wie ist die Christenbewegung im allgemeinen gewesen? Wie kam es zu dem Versuch Jerusalem zu erobern? Wieso wird den Kids nicht beigebracht, dass es sich bei den Kreuzzügen um das Jahr 1000 herum um einen verdammten Verteidigungskrieg handelt, weil die Muselmanen bereits in fucking Deutschland waren?! Naja damals war es noch das heilige römische Reich. Fun Fact:  Obwohl wir einen Ausländeranteil von mindestens 50% an der Schule hatten (Die meisten Moslem, der Rest Polen oder Russe + einige Minderheiten wie Franzosen) haben wir nichts bis wenig über Osteuropa und Asien gelernt.

 

Mathematik

Mal ernsthaft. Wie viele von euch mussten bisher eine Differentialrechnung ohne PC durchführen? Wie viele von euch mussten auf einem Blatt Papier eine Wurzel ziehen (Zahnärzte zählen nicht!). Wann hat das letzte mal jemand 3/8 mit 5/9 multipliziert? Wer kann sich nicht an seinen Mathelehrer erinnern, der einen predigte: Ihr werdet nicht immer einen Taschenrechner in der Tasche haben. Ahm. Gerade in meiner linken Hosentasche. Danke. Versteht mich bitte nicht falsch, ich habe Respekt vor Leuten die wissen in welchen Fällen man eine Vektorrechnung anwenden muss. Aber diese werden beruflich damit zu tun haben. Kann man solche Themen nicht in die Berufsausbildung verschieben? Mein Mathelehrer schrieb immer die eine Aufgabe der Arbeit an die Tafel wenn er ein neues Thema begann. Als er mit den Buchstaben anfing schrieb er etwas wie:

x=(a•b)/12+(b-1•2)

 

Ich fragte ihn daraufhin erst einmal, ob seine Katze über die Tastatur gelaufen wäre. Mal ehrlich, die meisten Dinge des alltäglichen Lebens kann man mit einem Dreisatz und etwas Logik ausrechnen. Interessanterweise wurde uns der Dreisatz in der Form nie beigebracht. Dieser war den Schülern des E-Kurses, des Erweiterungskurses (Vergleichbar mit einem Leistungskurs) vorenthalten. Wir mussten alles ausführlich ausrechnen. In Einzelschritten. WTF? Wie gesagt, das meiste lässt sich recht einfach lösen. Dummerweise sind die Aufgaben des Alltags immer in Textaufgaben gegliedert.

Aaaaahh… Textaufgaben. Mein liebstes Thema. Frage: Rechnung: Antwort: . Und wehe man hatte die Antwort vergessen. Dann war die Aufgabe ungültig. Und schön das Einheitenmaß mit rein nehmen!

Ein Sechsachser mit Doppelbereifung fährt in Hamburg mit einer Geschwindigkeit von 186,12 km/h in Richtung München, während Zur gleichen Zeit in Hannover ein Güterzug mit 360,98 km/h nach München startet, welcher eine Umleitung über Hamburg nehmen muss um nach Köln zu gelangen. Die Ladung des Sechsachsers beträgt 12,8 Tonnen Sand mit einer Dichte von 42, während der Güterzug Melonen für Henry, dem Pförtner geladen hat. Das Gesamtgewicht des Zuges beträgt 87997456498,5654 Kilogramm. Die Melonenladung wiegt 20 Tonnen. Gesucht ist die Anzahl der Reifen des Sechsachsers unter Beachtung der durchschnittlichen Luftfeuchtigkeit Sibiriens und des geltenden Rechts in Deutschland.

Frage: Wie viele Reifen hat der Sechsachser?

Rechnung: 6*2+1=13

Antwort: Der Sechsachser hat 13 Reifen.

Wer nicht drauf kommt, kann gerne einen Kommentar hinterlassen Zwinkerndes Smiley Schulsystem

[sic]Sechs, Setzen. Les den Text vor der Aufgabe nochmal durch. Bei mir würde die Rechnung wie folgt aussehen: 6*2*2+1=25 Warum? DOPPELBEREIFUNG!Brack Fllo
Da bin ich über meine eigene Formulierung gestolpert. Sachen gibt’s O_O

Mal abgesehen davon, dass solche Textaufgaben immer total sinnlose Werte aufweisen und somit die Plausibilität der Rechnung bzw. des Ergebnisses selten logisch überprüft werden kann, mathematics-936745_960_720[1]werden immer sinnlosere Informationen mit eingebaut. Wer kennt nicht die Rechnung mit “Du bist der Busfahrer. Es sitzen 12 Menschen im Bus. An der ersten Haltestelle steigen 3 Menschen aus und 2 ein. An der nächsten steigen 4 aus und 2 ein. An der nächsten steigt keiner aus und 12 ein. An der nächsten steigt ein Hund ein. Wie alt ist der Busfahrer?

Das ist so ziemlich das gleiche Prinzip. Nutzt einem in normalen Alltagssituationen nur leider recht wenig. Was bringt es also? Klar, es soll geprüft werden ob man die Fähigkeit hat das Relevante von dem Irrelevanten zu unterscheiden, aber so abstruse Fälle kann man sich nun wirklich nur ausdenken. Oder hat schon einmal Jemand Jemanden 20 Melonen und 40 Apfelsinen zu einem Stückpreis von 2,99€ kaufen sehen?

Den meisten Kram den man ab der 8ten Klasse in Mathematik lernt kann man ziemlich vergessen. Nach der Geometrie kommt meiner Erfahrung nach nichts mehr, was einem im normalen Leben irgendwie weiter bringt. Gut als Programmierer brauche ich zwischenzeitlich noch ‘ne Grenzwertberechnung und den Logarithmus aber da käme man mit etwas Erfahrung auch selbst drauf.

 

Religion

Gott. Ich habe es gehasst. Umso schlimmer fand ich es, dass ich ständig gute Noten bekommen habe. das liegt aber in der Familie denn auch meine Mutter hat diese Erfahrung gemacht. Während die meisten anderen abgelenkt waren und irgendwas gemacht haben, habe ich mich mit meinem Lehrer über… Nunja. Gott und die Welt gestritten. Das resultierte darin, dass er das als Mitarbeit angesehen hat und mir entsprechende Noten gegeben hat. Rückblickend betrachtet eine sehr faire Behandlung aber damals kam ich mir schlichtweg verarscht vor.

Nun ist es allerdings leider so… Nein. Den Satz muss ich anders beginnen.

Wenn man Glück hat, dann… Auch nicht ganz was ich suche…

In einigen Fällen hat man als Religionslehrer einen Pfarrer oder Pastor oder etwas in dieser Richtung. Man darf sich nun aussuchen ob das ein Glücksfall oder ein Unglücksfall ist.

Es hat mich allerdings immer schon gestört, dass im “Religionsunterricht” immer nur die Christliche Religion unterrichtet wurde. Dann gab es noch Unterscheidungen zwischen evangelischen und Katholischen Lehrern und Schülern. Ausländer wurden meistens einfach abgeschoben und erhielten “Freigang”. Das finde ich persönlich etwas kritisch, denn wenn man sich integrieren will, sollte man sich auch mit der Kultur und dem Glauben des Gastlandes anfreunden. Gerade heutzutage in Zeiten der “Flüchtlingsproblematik” sollte dies genutzt werden. Nun ist es so, dass gerade Pfarrer den Hang zu Diskussionen haben. Das finde ich recht gut, auch wenn sie durch ihre Ethik- und Theologieausbildung jeden Schüler in Grund und Boden diskutieren können. Glücklicherweise haben meine Religionslehrer dies nie versucht und haben auch auf kritische Themen sehr “logisch” geantwortet. Es gab selten Gefasel über “Gott ist allmächtig und lenkt unsere Belange”. Es ging meistens eher in die Richtung “Gott ist in uns” und Moral und … nunja eben Ethik. Wir hatten weder Ethik noch Philosophie und es stand auch nicht auf dem Lehrplan solche Themen mit uns zu besprechen und dennoch wurde im Laufe der Diskussion immer wieder darauf eingegangen.

Wie bereits gesagt hasste ich den Religionsunterricht. Rückblickend betrachtet muss ich allerdings gestehen, dass diese Mischung aus Religion, Ethik, Philosophie und Ideologie durchaus einen positiven Effekt auf mich hatte. Auf diese Weise konnte ich nämlich besser verstehen wie ich mit manchen Situationen umzugehen habe. ein wenig Psychologie konnte ich von meinem christian-313606_960_720[1]letzten Religionslehrer ebenfalls lernen, auch wenn dieser das wohl gar nicht mit bekommen hat. Ich hatte mir seine Tricks notiert um die Diskussion in eine bestimmte Richtung zu lenken.

Das größte Problem am Fach Religion ist, dass ich keine direkte Definition dafür finden kann. Ich habe mir schon öfter die Frage gestellt, was das nun eigentlich sein soll. Die Thematik und Vorgehensweise grenzt zuweilen mancherorts an religiöse Erziehung. Die Gesellschaft soll in Jugendzeiten bereits mit christlichen Werten und Eigenschaften in Kontakt treten. Dafür war der Unterricht allerdings zu … offen. Von den Diskussionen und der Vorgehensweise her.

Andererseits kann es sein, dass man Religion mit anderen Fächern wie Mathe oder Geschichte gleichsetzen könnte. Dann hätten wir aber spätestens dort etwas über die Kreuzzüge lernen müssen. Was wir nicht taten. Außerdem hätte das Themengebiet nicht so eingeschränkt sein dürfen, denn es ist ja nun einmal “Religionsunterricht” und nicht “christlicher Glaube”. Während eines solch deklarierten Unterrichtes nur die christliche Religion zu thematisieren  wäre in etwa so, als würde man als Mathematiklehrer ausschließlich die Bruchrechnung lehren und als Geschichtslehrer nur über den zweiten Weltkrieg sprechen. Ähm… Ja gut. Das letzte war jetzt vielleicht ein blödes Beispiel.

 

Deutsch

Nur in wenigen Fächern dachte ich mir so oft “What the Fuck” wie in Deutsch. Der ein oder Andere wird vielleicht bemerkt haben, dass ich ein leichtes Problem mit der Groß und Kleinschreibung habe. Dies ist jedoch nicht der Tastatur geschuldet sondern einigen ganz blöden Stunden im Deutschunterricht und den darauf folgenden “Aufsätzen” und Referaten. Wir hatten die Nominalisierung von Werben durchgenommen. Also werben; Das Werben und trinken; Das Trinken. “Das Berühren der Figüren mit den Pfoten ist verboten” sagte mein Mathelehrer immer mal wieder. Seit dem habe ich leichte Schwierigkeiten mit Werben und Adjektiven.

Ah. Noch so eine Geschichte. Satzbau, Struktur gerödel. Alles kein Thema. Ich weiß wie ich einen Satz zu gestalten habe, damit dieser verständlich ist. natürlich kann ich auch Sätze in verschiedenen Stufen der Seriosität schreiben.

♠ “Der immense Usus exterritorialer Vokabeln der germanischen Linguistik ist mit dezidiertem Fanatismus auf ein maximales Minimum zu reduzieren.” (Leider nur geklaut)

♠ “Benutzt net so viele Fremdwörter.”

Wenn mir nun aber einer Sagt: “Bilde einen Satz im Futur 2 mit mindestens zwei Verben und einem Adjektiv im Singular 1 ”, dann sitze ich erst einmal da und guck wie ein VW Polo.

Gibt man mir aber ein Beispiel, ist das alles wieder kein Problem. “Ich werde diesen Artikel heute Abend geschrieben und Korrektur gelesen haben.”

auch Mischformen sind möglich. So in einem normalen Gespräch mit einem ehemaligen Arbeitskollegen gesagt: “Wenn ich diesen Mittwoch essen gegangen bin, dann werde ich in diesem Monat drei mal essen gegangen sein.”Sonia-Sonny-Deutsch-2[1]

Ich habe also entweder irgendwann den Anschluss an die Fremdwörter verloren, oder habe sie nie gekannt. Ich kann sie mir aber auch nicht merken. Dauernd muss ich nachgucken, was denn nun ein Personalpronomen ist. Wenn ich das allerdings aus meinem bisschen Latein zusammen kratze (Ich hatte kein Latein in der Schule. Ich habe nur einige Bruchstücke gelernt). Daher weiß ich allerdings, dass es sich hier um ein “persönliches Fürwort” handelt. Bringt mich nur leider auch nicht weiter. Ich brauche bei so etwas immer Beispiele.

Aber das ist mein Problem und nicht das der Schule.

Ein Problem der Schule allerdings ist die Bewertung von Interpretationen. Manchmal ist ein Vogel halt nur ein Vogel und manchmal dient die grüne Wiese, die in einem Gedicht mal am Rande erwähnt wird, tatsächlich nur dem Zweck dem Leser in Gedanken ein Bild zu malen und nicht um da irgendwelche Vergewaltigungsakte oder Sehnsucht nach Natur oder so’n Krams rein zu interpretieren. Die Benotung finde ich auch etwas kritisch. Man kann nicht sagen “Das ist falsch”. Solche Lehrer hatten wir auch, blieben aber nie lange. Man kann nur die äußere Form und die Argumentation beurteilen. Man kann sich vorstellen, dass solche Dinge nur für Jene mit viel Fantasie und Schreiblust ist. Die fehlte mir persönlich immer ein wenig.

 

Physik

An und für sich eine sehr geile Geschichte und ich mochte Physik recht gerne. Auch wenn ich am Anfang schlechte Noten hatte (Dazu später mehr). Das Problem daran war die Mathematik. Diese “Hilfswissenschaft”, wie eine meiner Lehrer sie nannte, war mir immer Suspekt. Ich meine, schön dass man vieles Ausrechnen kann, aber welchen Sinn hat das wenn ich das Wissen niemals brauchen werde?

Ein Beispiel: Man wirft einen Flummi mit einer Dichte von 0,960 mit 30 km/h gegen eine Betonwand. Ich muss jetzt nicht ausrechnen wie weit sich der Flummi eindrückt um dann mit Geschwindigkeit X zurück zu springen. Ich muss nur wissen, dass ich den Kopf einziehen sollte, wenn ich den Flummi geworfen habe.

 

Das Schulsystem als Solches

Nun möchte ich aber nicht nur über die einzelnen Fächer herziehen, sondern auch über die allgemeinen Zustände in deutschen Schulen. Wir haben einen enormen Ausländeranteil und erwiesenermaßen (und aus eigener Erfahrung) ist es so, dass viele osteuropäische Kinder und Jugendliche deutlich eher zur grundlosen Gewalt, auch den Mitschülern gegenüber, neigen, als andere Kids. Immer wieder wird gepredigt gar nicht erst darauf einzugehen und sie einfach zu ignorieren. Sie würden die Lust verlieren. Nun, ich habe das 5 Jahre lang versucht. Hat wenig gebracht. Heute weiß ich, dass ich in der straffreien Zeit einfach nur hätte zurückschlagen müssen und es wäre Ruhe gewesen. ich befürchtete aber die Konsequenzen mit der Schule und meinen Eltern. Seitens der Lehrer gab es, wenn überhaupt, nur den Ratschlag der Ignoranz. Meistens wurde aber einfach nur so getan als würde man nicht mit bekommen, dass sich die halbe Klasse gerade prügelt oder ganze Tische durch den Raum flogen. Vielleicht sind die Lehrer heutzutage auch einfach durch einen Schutzreflex dazu verdonnert so zu handeln. Vielleicht wird ihnen auch von der Gesellschaft zu sehr der Maulkorb geschürt oder die Pädagogikausbildung versagt an dieser Stelle. Was auch der Grund dafür sein mag, es läuft falsch. Wir haben in Deutschland ein vergleichsweise gutes Bildungssystem. Das bedeutet aber nicht, dass es perfekt ist.

Es gab einmal ein Bild. Jungleprüfung. Ich denke das zeigt sehr deutlich eins der Probleme.

unser+schulsystem+please+climb+that+tree[1]

Es gibt einiges an Wissen, das ich aus der Schulzeit mit genommen habe aber die wichtigste Lektion ist: Trust no one. Mach es selbst oder sei verlassen. Verrat und Intrigen wohin das Auge reicht. Hilfe ist nirgends zu erwarten und wenn du aufstehst um die den Weg frei zu kämpfen bekommst du von den Obrigkeiten eins auf den Sack. Wenn du so bist wie du bist bist du nicht wie du sein sollst, also pass dich an.

Nunja. Dieser Blog würde nicht existieren wenn ich auch nur den geringsten Scheiß darauf gegeben hätte. Das Leben in der Schulzeit ist hart für Außenseiter. Wenn man allerdings als Pariah, also als Außenseiter by choice, sein Leben leben will, hat man es noch einmal eine Ecke schwerer. rein körperlich. Als Typ. Mittlerweile weiß ich, dass Mobbing nicht mit Ignoranz bei zu kommen ist. Es hilft aber ungemein wenn man sich nicht durch die Meinung anderer ablenken lässt. Aufgrund dieser Erfahrungen kann ich mir heute einen Spaß daraus machen andere Menschen in Verlegenheit zu bringen. Einfach weil es mir egal ist. Die Frage ist nur, ob das so sinnvoll ist denn ein “wertvoller Beitrag zur Gesellschaft” ist das nicht. Dazu sollte das Schulsystem uns doch erziehen. Es kann sein, dass meine Mutter da zu wenig mit gespielt hat und ich bin echt froh drum, dass sie mich zum selber denken erzogen hat, aber es kann sein, dass Freidenker als solche einfach einen anderen Blickwinkel auf die Gesellschaft haben. Damit meine ich nicht jene die voller Hass auf die Menschheit blicken und “Abschaum” denken. Ja auch diese haben einen anderen Blick auf die Gesellschaft, aber das ist ein anderer als jener den ich meine. Ich meine Aussteiger. Jene die zwar noch in der Gesellschaft sind, sich aber nicht alles auf die Stirn schreiben lassen. Nicht so wie jene die einen damals mobben wollten. Heute sieht das anders aus. Aber gut. Zurück zum Schulsystem als solches.

Schüler erhalten, wenn notwendig, BAföG. Dadurch ist gesichert, dass, zumindest in der Theorie, jeder eine Ausbildung erhält, die er erhalten möchte und für die er qualifiziert ist. Nun es es allerdings leider so, dass man für ein IT Studium ein Abitur benötigt. Dieses habe ich selbst zwar durch meine Ausbildung erhalten, habe aber in den Ausbildungsspezifischen Fächern schlicht und ergreifend nichts zu tun. Ich habe als theoretisch zwei Jahre meines Lebens damit verbracht herum zu sitzen und anderen beim lernen zuzuschauen nur um dann irgendwann ein Studium in dieser Fachrichtung anfangen zu können. Wenn alles gut geht ist man also frühestens mit 24 aus dem Studium raus. wenn man nun bedenkt, dass andere in dieser Zeit bereits 8 Jahre gearbeitet haben und wissen wie der Hase läuft, während der Student gerade einmal weiß wie man sich die Schuhe bindet und etwas fachliches Wissen in seinem Bereich hat, nun… Jeder darf sich da ein Bild machen. Das Problem ist hier aber noch ein weiteres. Wenn die Noten in bestimmten Fächern, welche total nutzlos und irrelevant für die Zukunft sein kann (Sport), nicht gut sind, können diese verhindern, dass man ein Abitur oder eine Ausbildung erhält. Diese Noten spiegeln aber ausschließlich die Leistungen des letzten Halbjahr der Schulzeit wieder. Diese werden auch noch eingeschränkt durch die Fächer an sich und die Lehrer. Ja ich gebe den Lehrern einen enormen Teil der Schuld am Versagen ihrer Schüler!

Veraltete Lehrmethoden oder persönliche Probleme, sowie die Ignoranz der Lehrer führen dazu, dass Schüler schlechte Noten schreiben. Dazu drei Beispiele aus meiner Schulzeit:

  1. Physik: Ich war nur im Grundkurs. Hatte eine Vier. Der Grund dafür war, dass ich schlicht dem Stoff nicht folgen konnte. Irgendwann hatte ich aber ein privates Gespräch mit meinem Klassenlehrer und dieser sah mein Potential. Gegen die Regeln wurde ich probeweise in den Erweiterungskurs gesteckt. Man erwartete, dass ich 6en schreiben würde, da die Noten generell mindestens um 2 Notenstufen fallen nach einem Wechsel. Nun, bei mir stiegen sie um 2 Noten. Ich erhielt eine 2 im erweiterten Kurs. Aus heutiger Sicht weiß ich, dass ich durch meine Mitschüler im Grundkurs abgelenkt wurde. Waren bisschen mit meine Schuld. Ich hätte den Lehrer mehr nerven müssen.
  2. Chemie: Gut, Gut, Gut, Gut, Gut, Lehrerwechsel: Mangelhaft –> Abschluss. Danke. jahrelang hatte ich konsequent eine zwei in Chemie, bis so ein frisch ausstudiertes Emanzenweibchen auftaucht und die Klasse für ein halbes Jahr übernimmt. Wo kommt die scheiß Fünf her?! Das zog meinen Durchschnitt weit genug nach unten um mir den Zugang zum Jahr 11 zu verwehren. Aber ich nehme an, dass ich das damals sowieso nicht geschafft hätte.
  3. Religion: Gut, Gut, Mangelhaft, Sehr gut, gut, Sehr gut. Ich hatte eine Fünf erhalten, weil der Lehrer wohl nicht mit meiner Art klar kam. Wo andere mir Punkte für die sonstige Mitarbeit gut schrieben wenn ich nachfragte oder in Frage stellte, fühlte er sich wohl angegriffen und nahm es als “Störung” auf. Typisch Christ eben xD

Von solchen Fällen lese ich häufig und ich nehme da bereits jene Fälle raus, die sich einfach nur aus der Verantwortung für ihre “Leistungen” ziehen wollen. Ich weiß, dass es Lehrern untersagt ist die Schüler unterschiedlich zu benoten, aber ich weiß auch, dass sie es dennoch tun. Es gibt immer Möglichkeiten jemanden ‘ne schlechte Note zu verpassen und sei es, weil er einen fahren lassen hat o_O

 

Doch was soll man nun dagegen unternehmen?

Nun… Relativ wenig. Hört nur darauf, wenn euer Kind selber etwas sagt. Heutzutage ist es noch schlimmer, auch mit dem Mobbing. Wer kein Iphone hat ist nichts wert. Schaut euch einfach mal die sozialen Profile der Kids heutzutage an und ihr seht wie der Hase läuft. “Fame” war immer schon wichtig, doch aus der Generation Famebesessener wurde eine Generation geboren, die wirklich kritisch mit Marken ist. Zeigt ihnen ein Eichenblatt und ein Instagramm-Logo und seid überrascht, welches von beiden sie erkennen. So etwas hatte man damals bereits zu uns gesagt und wie gesagt, es wird nicht besser. Sprecht mit den Lehrern. Findet heraus ob diese irgend etwas gegen eure Kids haben. Achtet auf Notenabstürze in bestimmten Fächern. schaut auch, ob dieser Lehrer mehrere Fächer eures Kindes unterrichtet um dort Abstürze zu vermeiden. Die Eltern sollen die Erziehung der Kinder nicht auf die Schule abwälzen. Das bedeutet aber auch, dass keinerlei Bestrafung durch die Lehrer erfolgen darf! Punktum.

Das Leben ist hart genug und die Schule bereitet die Kids nicht wirklich auf das Leben vor. Auf das Berufsleben, ja. Vielleicht. Aber nicht auf das Leben. Es fehlen einfach wichtige Dinge. Wenn das so weiter geht, erhalten die Kids bald vor Ende der schulischen Ausbildung kein Bewerbungstraining mehr, sondern lernen wie sie einen Hartz IV Antrag auszufüllen haben. Generell wäre es nicht schlecht ein wenig mehr “Lebensunterricht” in die Schule zu bringen. Abseits der Unfairness versteht sich.

Wie war es bei euch? Hattet ihr auch Abstürze bei Noten? welches war euer Hassfach und warum?


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2 comments for “Schulsystem Geschichte und Religion

  1. 2015, Dezember 25. at 20:40

    Frage: Wie viele Reifen hat der Sechsachser?

    Rechnung: 6*2+1=13

    Antwort: Der Sechsachser hat 13 Reifen.

    Sechs, Setzen. Les den Text vor der Aufgabe nochmal durch.

    Bei mir würde die Rechnung wie folgt aussehen:
    6*2*2+1=25
    Warum? DOPPELBEREIFUNG!
    Sollte eben jenes durch die Gesetzeslage in Deutschland nicht mehr der Fall sein bitte den Kommentar umgehend entfernen. .

    • 2015, Dezember 29. at 14:13

      Aaaaah! Verdammt! Da bin ich über meine eigene bekloppte Satzstellung gestolpert! Aber das beweist, dass die Textaufgaben doch nicht ganz so leicht sind, auch wenn man meint, dass man alle Daten hat und auch dran gedacht hat. Top.

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